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b.o.s.c.h. - Fleischwolf

VÖ: 13. Oktober 2017
Laute Helden

Das erste Mal wurde ich auf die vier Industrial-Rocker von b.o.s.c.h. aufmerksam, als sie 2013 auf einem Festival in Oldenburg spielten. Damals schon war ich von ihrer energiegeladenen Bühnenperformance schwer begeistert, die mir den Eindruck vermittelte, dass diese Jungs ihre Musik nicht nur spielen, sondern auch leben. Als mir eine Freundin dann die beiden bis dato erschienen Alben "Einsam" und "Apparat" zum Reinhören auslieh, wurde mir klar, dass die Wilhelmshavener Band, mit ihrer Mischung aus Industrial-Klängen, hartem Metal-Gedresche und aggressiv-wahnsinnigem Gesang, das Potential haben, einer der ganz Großen ihres Genres zu werden. Dementsprechend gespannt war ich auf das neue Album "Fleischwolf". Die beiden Tracks "Schock" und "Reiz mich" bieten gleich zu Anfang schon mal ordentliches, aggressives Geballer und machen deutlich, dass b.o.s.c.h. sich ihr hauseigenes Motto "Wir machen Krach!" nicht ohne Grund auf die Fahnen geschrieben haben. Abgesehen davon, klingen sie für mich aber noch zu sehr nach Industrial-Metal Durchschnittskost und lassen den Abwechslungsreichtum früherer Alben vermissen. Der dritte Track, "Blender", hilft dabei leider auch nicht viel, sondern verursacht im Gegenteil bei mir noch eine gewisse Portion Fremdscham, wenn Sänger Max Klee im Refrain die Worte "Fick dich!" einzeln buchstabiert und manche Reime mit "... wa?" beendet.
Erst beim Titeltrack findet die Band wirklich zu gewohnter Stärke zurück, was leider auch dazu führt, dass ich beim Durchhören des Albums fast jedes Mal erst bei diesem Song einsteige. Mit "Fleischwolf" servieren sie nicht nur schön hartes Geballer, sondern auch einen einprägsamen Refrain, der die Nackenmuskeln zucken lässt. Und auch die nachfolgenden Songs stehen diesem in nichts nach. Der Track "Jagd" erinnert im ersten Moment stark an Rammstein's "Waidmanns Heil", haut dem Hörer aber dann überraschend seine derbe Geschwindigkeit in die Ohren. "Evolution" und "Folgemann" bieten nicht nur ordentlichen Krach an, sondern bringen auch die musikalische Experimentierfreude früherer Alben zurück. Vor allem bei "Folgemann", eine klare Anklageschrift an das Mitläufertum, gefällt mir das Zwischenspiel, das auf einen bekannten Österreicher anspielt. Die beiden nachfolgenden Tracks "Du" und "Das Spiel" hauen mich leider weder lyrisch, noch musikalisch vom Hocker, tatsächlich finde ich den Text von Letzterem sogar etwas klischeehaft. Mit "Zu Spät" liefern b.o.s.c.h. allerdings noch einen letzten musikalischen Höhepunkt, bei dem Sänger Max Klee zeigt, wie mühelos er seinen Gesang zwischen aggressiv-wütend und manisch-wahnsinnig balancieren kann. Die letzten beiden Songs "Ritual" und "Macht" hinterlassen bei mir leider keinen bleibenden Eindruck und lassen mich beim Durchhören jedes mal mit dem Wunsch nach etwas mehr zurück.
Objektiv betrachtet, ist "Fleischwolf" kein schlechtes Album und fährt eine angenehm aggressive Krachmaschinerie auf, wie man sie von b.o.s.c.h. erwarten würde. Eingefleischte Fans sollten auf jeden Fall mal reinhören. Im Vergleich mit seinen beiden Vorgängern hinkt es aber leider hinterher und lässt vor allem den Abwechslungsreichtum und die Experimentierfreude mit elektronischen Industrial-Klängen vermissen. Allen Hörern, die b.o.s.c.h. gerade erst entdecken, würde ich deswegen eher die beiden Vorgänger "Einsam" und "Apparat" ans Herz legen und vor allem empfehlen, sich die Jungs mal live auf der Bühne zu geben. (hlq)

5,5/10