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CALLEJON - Man spricht Deutsch

VÖ: 11. Januar 2013
Four Music

Den Sinn eines reinen Coveralbums werde ich vermutlich nie verstehen und auch die genauen Absichten, die Callejon mit "Man spricht deutsch" verfolgen, bleiben mir letztendlich verborgen. Vielleicht ist dieses Album schlicht als eine Hommage an die deutsche Sprache zu verstehen. Was zu manchen Zeiten regelrecht verpöhnt war, hat sich gerade in den letzten Jahren - glücklicherweise - wieder zunehmender Beliebtheit erfreut, nämlich eine musikalische Message mittels der deutschen Muttersprache auszudrücken.
Nun müssen es Callejon allerdings noch schaffen, die "richtigen" Songs für ihr Coveralbum auszuwählen, was durchaus so manche "Gefahr" in sich birgt, wenn man sich in diesem Zusammenhang die bekannte Aussage "richtige Band, falscher Song" vor Augen hält. Noch bevor man als Kritiker überhaupt darüber nachdenken könnte, ob ein Albumtitel wie "Man spricht deutsch" zusammen mit einem etwas heroisch wirkenden Adler auf dem Cover, überhaupt noch "politisch korrekt" ist, wischt man mit "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte) gleich sämtliche Zweifel vom Tisch und konnte als Duettpartner sogar Chefarzt Bela B. persönlich gewinnen (für grenzwertigen Patriotismus sind ohnehin andere Bands zuständig).
Und der Metalcore-Vierer beweist auch im weiteren Verlauf ein meist ausgesprochen gutes Händchen bei der Titelauswahl: "Hier kommt Alex" (Die Toten Hosen), "Ein Kompliment" (Sportfreunde Stiller), "Alles neu" (Peter Fox), "Schwule Mädchen" (Fettes Brot) oder auch "MFG" (Die Fantastischen Vier) kennt nun wirklich jeder auswending, der auch mal über den musikalischen Tellerrand hinausschaut, und gerade diese Titel sind ohnehin "Kulthits" des deutschen Rock & Pop der letzten Jahre. Darüber hinaus scheut man aber auch nicht die Zeitreise in die 90er ("Alles nur geklaut" - Die Prinzen) und sogar in die 80er ("Major Tom" - Peter Schilling) und drückt auch diesen Titeln einen eigenen Stempel auf, ohne nur "stumpf" nachzuspielen. Selbst solche "akustischen Ergüsse", die ich im Original als ziemlich grenzwertig einstufen würde, wie "Ich find Dich scheiße" (Tic Tac Toe) - leider wieder mal überflüssigerweise mit Unterstützung der deutschen Rapper von K.I.Z. (die auf keinem Metal-Album etwas zu suchen haben) - "Mein Block" (Sido) und sogar "Durch den Monsun" (Tokio Hotel ... !), machen überraschenderweise zweifelsfrei Laune und kommen bei weitem gar nicht mehr so nervend rüber, wie die Originale.
Ich gebe abschließend zwar ohne Bedenken die Prognose ab, dass "Man spricht deutsch" über kurz oder lang in der Versenkung verschwinden wird (was aber an der Tatsache eines Coveralbums als solches liegt), aber für den Moment sorgt dieses Album für eine ausgesprochen gelungene Party. (maz)

8/10