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CALLEJON - Wir sind Angst

VÖ: 09. Januar 2015
Four Music

Jeder hat seine Lieblingsband. Die, bei der es schon Tage vor Release-Termin im Magen kribbelt, wenn ein neues Album ansteht. Bei mir sind das Callejon. Mit über zwölf Jahren Bandgeschichte und etlichen Alben, Videos, Singles und unzähligen Konzerten in den Knochen, wissen die Jungs rund um Frontmann Bastian "BastiBasti" Sobtzick genau, was sie da auf die Platte pressen. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an das neuste Album, das unter dem Namen "Wir sind Angst" daherkommt. Zu den Fakten: 13 Songs, Sprache: Deutsch, Genre: Metalcore, Dauer: 39 Minuten. Ich muss das Ganze dieses Mal etwas schneller zusammenfassen, denn dieses Review wird sowieso schon länger, als normal.
Nun will ich mit euch Schritt für Schritt das Album durchgehen, denn die einzelnen Songs sind einfach so unterschiedlich, dass man da nicht allgemein reden kann. Zunächst ein Intro, knapp über eine Minute, zu dem es eigentlich nicht viel zu sagen gibt - es sind eher Gerausche, wie bei einem kaputten Fernseher, untermalt mit tief-schwarzer Atmosphäre. Für das erste Mal Hören ist das noch interessant, ab dem zweiten Mal aber irgendwie unnötig, denn ab dann weiß man: jetzt geht's endlich richtig los. Und zwar mit dem Titelsong "Wir sind Angst". Aggressiv und aufgeladen sorgt der Track dafür, dass die Stimmung mit Wut gefüllt wird. Die eher emotionalen Tracks früherer Alben sind wie ausgeblendet, stattdessen ist die Farbe des Albums ausschlaggebend: Rot - für Wut. Der nächste Track "1000 PS" wurde wahrscheinlich eher für Live-Konzerte geschrieben, als für die Kopfhörer allein, denn mit Gang-Shouts sieht man förmlich vor dem geistigen Auge, wie die Fans in Richtung der Bühne ihre Lunge an die Grenzen der Belastbarkeit schreien. "Dunkelherz" ist der nächste Song und hat die emotionalen Wurzeln zurückgebracht. Die Clean-Vocals von "BastiBasti" sind einfach unnachahmlich und entfalten hier ihre perfekte Wirkung - großes Kino. "Babel" - ein Interlude, welches die Stimmung aufbaut und im Gegensatz zum Intro auch ruhig ein paar Mal öfter abgespielt werden kann. Von "Babel" eingeleitet, folgt "Raketen". Ein Song, der eine positive musikalische Grundatmosphäre und fast schon eine punkige Art hat. Halbzeit. Mit "Unter Tage" (ähnlich wie "Dunkelherz"), bringen Callejon die perfekte Mischung aus "warmen" (Wut, Aggression, Kraft) und "kalten" (Trauer, Verzweiflung, Angst) Emotionen in einen Song zusammen. Dafür liebe ich diese Band am meisten, denn ich kenne keine Band, die dieses Konzept so perfektioniert hat. Es folgt "Neonblut", ein schneller Song, der weniger mit den Emotionen spielt, sondern wahrscheinlich auch Live seine größte Wirkung entfaltet, wenn der Moshpit tobt und die Circle Pits ihre Runden drehen.
"Ich lehne leidenschaftlich ab" eine Kriegserklärung an die Welt, die das Blut zum kochen bringt und mit Doublebass-Gebretter und Gabba-Bass-Gedöns wahrscheinlich den einen oder anderen Subwoofer zerplatzen lässt. "Veni Vidi Vici" schafft tatsächlich Hoffnung, denn auch wenn alles schlecht läuft, werden "die glorreichen Fünf von Callejon" uns retten - darauf warte ich schon lange. "Krankheit Mensch" zeigt klar, wer das Feindbild ist (kleiner Tipp: es sind die Menschen). Instrumental sparsam, damit auch ja jeder auf den Text achtet. Bei "Schreien ist Gold" ist die Grundstimmung nicht mehr ganz so düster, aber irgendwie werde ich mit dem Song nicht ganz so warm, wie mit den anderen, denn er läuft erst ab der zweiten Häfte so richtig an und ist dann auch schon wieder vorbei.
Und nun zum Schluss "Erst wenn Disneyland brennt". Ein Song, der Assoziationen zu "Kind im Nebel" aufkommen lässt, mit cleanen Gitarren und poppigem Sound. Leider nicht so überzeugend wie das genannte Pendant, aber durchaus ein schöner Abschluss.
Für alle, die immer noch bei mir sind, ihr habt es geschafft, hier mein Fazit: "Wir sind Angst" ist durch und durch Callejon. Keine Emotion kommt hier zu kurz und Langeweile gibt es schonmal gar nicht. Auch wenn für mich frühere Alben in manchen Punkten besser sind, ist das reine Luxusdiskussion, denn Callejon haben hier wirklich ein starkes Werk abgeliefert. Ich hätte mir eher gewünscht, dass man den Fokus des Albums stärker an Songs wie "Dunkelherz" und "Unter Tage" orientiert, da Callejon hier einfach außerhalb jeder Konkurrenz sind. Jemand anderes wird wiederum sagen, dass es mehr von den anderen Songs à la "Neonblut" hätten sein dürfen, aber genau, weil für jeden viel dabei ist, wird dieses Album auch viele begeistern. (zeo)

9/10