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CANCER - The Sins Of Mankind (Re-Release)

VÖ: 08. August 2014
Cyclone Empire

Cyclone Empire machen allen Death Metal Fans der Neunziger dieser Zeit ein wundervolles Sommergeschenk. Und ganz persönlich? Es wurde auch verdammt Zeit, dass sich mal jemand vernünftig der ersten drei Longplayer der britischen Deather von Cancer annimmt.
Obwohl sich der dritte Cancer-Longplayer in meinem Besitz befindet, habe ich ihn aus unerfindlichen Gründen echt vernachlässigt. Jetzt, wo ich die Scheibe wieder höre, frage ich mich: Warum? Ist es die Übermacht der beiden Vorgänger? Ist es die saubere, dennoch rasiermesserscharfe Produktion? Oder weil das Material einfach präziser auf den Punkt gespielt ist (Drummer Carl Stokes hat sogar den klassischen Offbeat verinnerlicht)? Wer den räudigen Charme des Debüts und die Vollbedienung "Death Shall Rise" vergötterte, hat beim Drittwerk vielleicht einen Moment geschluckt. Doch ein kurzer Blick ins Innere von "The Sins Of Mankind" zeigt nur, dass sich die Briten anno 1993 spielerisch weiterentwickelt haben, ihren Charakter beibehielten und trotzdem nicht auf der Stelle treten wollten. Kann man einem Musiker schließlich nicht verübeln. Ich überlege die ganze Zeit, ob ich das so schreiben kann … denn rückwirkend betrachtet, hat "The Sins Of Mankind" für Cancer eine ähnliche Aussage wie "Spiritual Healing" für Death. Denkt mal darüber nach. An Härte und Aggressivität hatten Cancer weiß Gott nicht abgebaut, sie nur kontrollierter umgesetzt, eine dezente "Progressivitat" (darf man das hier schon so sagen?) eingebaut und im Gegenzug die Catchiness des Vorgängers marginal zurückgeschraubt. Über das Eröffnungstrio "Cloak Of Darkness", "Electro-Convulsive Therapy" und "Patchwork Destiny" kann sich jedenfalls kein Death Metal Fan beschweren. Interessant sind aber schon die beiden "Tribal Bloodshed"-Parts am Ende, die in ihrer Grundausrichtung unterschiedlicher nicht sein konnten.
Durch das erneute Hören habe ich "The Sins Of Mankind" gerade neu lieb gewonnen, gebe gerne auch meine acht Punkte und erweitere meinen Kernsatz aus dem "Death Shall Rise"-Review: die ersten drei Cancer-Scheiben gehören einfach in jeden vernünftigen Death Metal Haushalt.
Neben der CD-Version kommt das Vinyl in der 180g-Version im schicken Rot und als Bonustracks fungieren in beiden Fällen Non Vocal-Demo-Versionen der Album-Tracks "Cloak Of Darkness" und "Electro-Convulsive Therapy". (sw)

8/10