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CANCER - To The Gory End (Re-Release)

VÖ: 08. August 2014
Cyclone Empire

Cyclone Empire machen allen Death Metal Fans der Neunziger dieser Zeit ein wundervolles Sommergeschenk. Und ganz persönlich? Es wurde auch verdammt Zeit, dass sich mal jemand vernünftig der ersten drei Longplayer der britischen Deather von Cancer annimmt.
Das Cancer-Debüt rauschte quasi durch Zufall - nämlich durch ein Tauschgeschäft - in meine Death Metal-Entdeckungsphase hinein. Und bis heute bin ich verdammt glücklich darüber. Die Briten hatten eigentlich eine richtig gute Ausgangsposition, um auf sich aufmerksam zu machen, wurde ihr Debüt gemessen an der einheimischen "Konkurrenz" anno 1990 nämlich noch vor (!) "Warmaster" (Bolt Thrower) und "Necroticism" (Carcass) veröffentlicht. In der Retrospektive kann ich also nur mutmaßen, dass das Label (Vinyl Solution) schlichtweg nicht schlagkräftig genug war, um "To The Gory End" zu pushen. Am straighten Death Metal der zu dem Zeitpunkt als Trio agierenden Truppe kann es nicht gelegen haben. Ich möchte das Wort "groovy" unbedingt vermeiden, aber jeder Beat zeigte seine Wirkung, egal ob in den langsamen Passagen, den mittel-schnellen Doublebass-Bereichen oder im zackigen nahe-High End-Bereich, der dem Material ein schön unterschwellig punkiges Flair verabreichte. Da konnte sich das simple, aber effektive Riffing so richtig entfalten. Zudem hatte jeder Song einen oder eine Art Chorus, der sich sofort im Kleinhirn einhakte und den man zusammen mit John Walker's heiser-kratzenden Stimme mitbrüllen wollte. An vorderster Front natürlich der fulminante Titelsong, "Into The Acid", "Die Die" (mit kurzen Gast-Vocals von Obituary's John Tardy), das viehische "Witch Hunt" und das fast schon oberkultige "C.F.C.", ein kleiner Genre-Hit, dessen sich ja bekanntlich Deutschland's finest Black-Thrasher Desaster auf ihrer letzten Scheibe annahmen. Der Einfluss von Cancer mag vielleicht nicht in die obersten Schichten des Nachwuchses vorgedrungen sein, aber fragt mal einen historisch gut informierten Death Metal Crack nach Cancer und er wird euch ein ehrfürchtig-ekliges "Cancer Fucking Cancer" entgegenschmettern. Punkt.
PS: Das ach so böse Cover wurde doch glatt von einigen Seiten unterbunden, so dass damalige CD-Versionen nur mit schnöden schwarzen Cover nebst Logo und Titel daherkamen. Aus was für einer Zeit wir doch alle entsprungen sind …
Neben der CD-Version kommt das Vinyl in der 180g-Version im schicken Orange und als Bonustracks fungieren die Songs "Your Fate" (wer findet das Grundriff auf dem Nachfolgealbum wieder?!) und "Revenged", die einzigen des 1989er Demos, welche es nicht auf "To The Gory End" geschafft haben. (sw)

8/10