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CANDLEMASS - Death Thy Lover (EP)

VÖ: 03. Juni 2016
Napalm Records

Huch? Sollte "Psalms For The Dead" nicht das Ende darstellen? Haben wir nicht in die Kissen geweint, verzagt, den Lebenswillen verloren? Und doch gibt es ein Lebenszeichen, ein Licht, eine Hoffnung. Die Zeiten mit Messiah sind vorbei und jeder neue Sänger wird sich an ihm messen lassen müssen. So nun auch Mats Levén, der zwar schon seit 2012 live mit Candlemass unterwegs ist, aber mit "Death Thy Lover" nun auch die ersten Songs mit den Jungs aufgenommen hat. Leif Edling, der hauptsächliche Songwriter der Band und einziges verbliebenes Gründungsmitglied, kämpft noch immer mit dem "chronischen Erschöpfungssyndrom", soll aber bald auf die Bühne zurückkehren. In einem aktuellen Facebook-Post bestätigt er den Eindruck, den man vom gleichnamigen Opener der EP hat: "The chorus is pretty poppy [...] but the main riff is very metal and the opening is us going classic Anvil". In der Tat ist "Death Thy Lover" mit großem Abstand der poppigste und am wenigsten doomige Song auf der EP. Dennoch hat er einen großen Charme, versprüht beinahe etwas Judas Priest-Magie und macht schlicht gute Laune. Die dann folgenden "Sleeping Giant", "Sinister N Sweet" und "The Goose" klingen dunkler und getragener, die Riffs sind schwerer.
All das scheint nicht, als wolle man wie Candlemass vor 25 Jahren klingen, sondern es offenbart sich vielmehr ein Reifeprozess und ein kleines Anpassen an Mats Levén's Stimme. Weder wurde künstlich auf Retro gemixt, noch mit digitalen Mitteln modernisiert. Es ist kein hoffnungsvolles Zurücksehen und kein "cool sein". Es ist einfach Candlemass. Die sehr ruhigen Parts, vor allem in "Sinister N Sweet", hätte man sich eventuell sparen können, hier wirkt das Songwriting leicht aufgesetzt, fast ein wenig kitschig. Das macht der Song jedoch mit seinen wunderschönen Soli wieder wett. "The Goose" ist wiederum ein rein instrumentaler Song, ein wahres Riffmonster, das den Vergleich zu Sabbath und Pentagram nicht scheuen braucht.
Anlass der EP war der 30ste Geburtstag der Band und was hier geschaffen wurde, ist mehr als würdig. Wo andere Bands Neuauflagen alter Songs aufnehmen oder Compilations releasen, bringen diese Jungs den Fans eine kleine, aber beinahe perfekte EP dar. Vielleicht kriegen die Jungs gar Lust, wieder ein Album aufzunehmen? (jh)

9/10