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CARCASS - Surgical Steel

VÖ: 13. September 2013
Nuclear Blast

Es gibt so ein paar Dinge im Musik Business, die ich kaum erwarte. Dieses Album gehört dazu. Niemals hätte ich erwartet, dass Carcass ein Comeback-Album dieser Größenordnung raushauen würden und obendrauf noch eine musikalische Relevanz an den Tag legen, die den jungen Kids von heute mal zeigt, wie ein Original es richtig macht. Alles, was ich einst bereits an Carcass geliebt habe, ist da. Im Speziellen die Verschiebung vom reinen Grind zum Death Metal auf "Necroticism", diese Basis, die auf "Heartwork" dann in noch besser fokussierte Bahnen gelenkt wurde und - ich stehe dazu - die reinrassige Verschmelzung mit Rock-Elementen auf "Swansong". Letzteres findet auf "Surgical Steel" ebenfalls seine Berechtigung, ohne dass es heute noch irgendjemandem sauer aufstoßen dürfte. Höre dazu "The Granulating Dark Satanic Mills" oder "Unfit For Human Consumption". Vorrangig ist dieses Album aber eine perfekte Kreuzung aus "Necroticism" und "Heartwork", ohne dabei irgendetwas zu kopieren, sondern eben mit der verdammt erwachsen gewordenen Handschrift von damals einen Killersong nach dem anderen vorzulegen. Fiese Schlitzer wie "Thrasher's Abattoir", "Captive Bolt Pistol" oder "The Master Butcher's Apron" stehen im Einklang mit Groove-betontem wie "A Congealed Colt Of Blood" und dem monumental aufgebautem Ende "Mount Of Execution", welches nachträglich noch Gründe liefert, warum "Heartwork" seinerzeit auch für Käufer von Kreator's "Coma Of Souls" interessant war. Mein absolutes Highlight - und das sage ich mit Blick auf den Songtitel nicht nur als ehemaliger Edelstahlhändler - ist hingegen "Noncompliance To ASTM F 899-12 Standard" (genial!). Dieser Song ist so brillant und skurril zugleich, dass er charakterlich ohne Mühe mit vergangenen Größen wie "Incarnated Solvent Abuse", "Carnal Forge" oder "Pedigree Butchery" mithalten kann.
Unter der produktionstechnisch hier superb agierenden Hand von Andy Sneap haben die verbliebenen Originalmitglieder Jeff Walker (immer noch eine herrlich giftige Stimme) und Bill Steer (auf "Surgical Steel" für sämtliche Gitarren verantwortlich) einen Geniestreich abgeliefert, der von Aborted-Drummer Daniel Wilding (als "Ersatz" für den erkrankten Ur-Drummer Ken Owen) gleichermaßen up to date und ehrfürchtig verbeugend vor der Vergangenheit eingetrümmert wurde. Ich bleibe dabei - völlig unerwartet! (sw)

9/10