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CORONER - R.I.P. (Re-Release)

VÖ: 18. Mai 2018
Century Media

Lassen wir Business einfach Business sein. Denn irgendwo da steht wohl geschrieben, warum die Re-Releases der ersten drei Coroner-Longplayer nicht zur derzeitigen "Noise Records revisited"-Reihe gehören (Kreator, Celtic Frost, Tankard, Running Wild, …). Hinzu kommt die Tatsache, dass die vorliegenden Versionen komplett ohne Bonustrack auskommen (müssen?).
Ich gebe zu, dass ich bei mir unbekannten alten Scheiben (ja, eure Schlussfolgerung stimmt …) gerne in Review-Archiven damaliger Zeitzeugen schmökere, um ein Stück der damaligen Reaktionen zu verstehen. Und aus heutiger Sicht musste ich erst mal grinsen, als ich etwas von "musikalischen Anleihen bei Celtic Frost" las. Nun, die Verbindung der beiden Bands kann man nachlesen, aber so direkt würde ich das nach 31 Jahren jetzt nicht ausdrücken. Zugegeben, die Vocals von Bassist Ron Royce haben etwas von Tom Warrior und mit etwas Weitblick kann man Celtic Frosts ersten Blick über den Tellerrand, namentlich "Into The Pandemonium", schon leicht auf "R.I.P." ausmachen, aber im Endeffekt hinkt der Vergleich schon beim darüber Nachdenken. Passend dazu ein Fakt am Rande - beide Alben erschienen am selben Tag!
Jetzt aber ehrlich: Schon erstaunlich, was das junge Trio hier in die Rillen drückte. Sowohl Ron Royce, als auch Drummer Marquis Marky (diese auf international hingebogenen Künstlernamen …), hatten an ihren Instrumenten echt was zu zeigen. Und gerade Gitarrist Tommy T. Baron mit seinen (zum Release-Zeitpunkt) knapp 20 Lenzen dürfte mit seiner Saitenkunst für bleiche Gesichter bei der Thrash-Konkurrenz gesorgt haben. Egomanisch herumgefiedelt hat er nie - auch nicht beim Instrumental "Nosferatu". Die Songs stehen im Vordergrund und lieferten mit "Reborn Through Hate" oder "Totentanz" richtig starkes Nackenfutter mit cleverer Handwerkskunst. Beim Songwriting war noch Luft nach oben - da ist es schon auffällig, wie sich der Rhythmus beim Großteil der Songs ähnelt. Speed gab es mehr am Rande, dann aber schon amtlich ("Suicide Command", "Fried Alive", "Totentanz").
Auch aus heutiger Sicht ein starkes Debüt, dem ja noch so einiges folgen sollte. Nur nicht der verdiente Erfolg … ein Trauerspiel. (sw)

8/10