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COVEN - The Advent (EP)

VÖ: 29. September 2017
Svart Records

Coven sind ein Duo aus Japan, irgendwo zwischen NWoBHM und leichten Power Metal-Anleihen. Gegründet 2016 in Tokio, sind die beiden hier durch ihr Demo "Zero" (2006) vor allem in dezidierten Japan-Metal-Fankreisen bekannt geworden. Insgesamt scheint gerade der deutsche Metalunderground seit ca. 2015 relativ aufmerksam nach Japan zu schauen. Der Hype um Sabbat, Abigail, Barbatos und Tiger Junkies war recht eindeutig. Coven sind jedoch in keiner Verbindung zu irgendwelchen Punk- und Blackausläufern, sondern sehr melodisch und … nun ja, noch ein wenig japanischer als die genannten Prototypen.
Nun ist mit "The Advent" erneut ein Tonträger der Japaner in die Welt geflossen, diesmal eine 4-Track-EP. Das Cover ist in einem recht typischen Artwork gehalten und insgesamt tummeln sich vier überdurchschnittlich lange Songs auf dem Tonträger. Gesungen wird überwiegend in Japanisch, was der ganzen Sache durchaus einen gewissen Charme verleiht. Die wenigen englischen Verse fallen kaum auf und sind in einem starken Akzent gesungen. Alle vier Songs erinnern sowohl instrumental, als auch in der Tonmischung an einen Bastard aus simpleren Iron Maiden und den NWoBHM-Veteranen Satan. "Brave Warriors", "Karma" und "Wings Of Glory" sind relativ flotte Nummern, viele Melodie-Einsprengsel reihen sich an einem überraschend gut gemischten und abwechslungsreich verwendeten Bass. Auch sind alle drei Stücke zwar keine virtuos komponierten Meisterwerke, man befindet sich dennoch weit über dem Niveau des Einheitsbreis der "New Wave of New Wave of British Heavy Metal". Die Songs sind herrlich direkt und schnörkellos, leicht räudig abgemischt und ohne irgendwelche übertriebene Politur. Ganz so dreckig wie im nordeuropäischen Metalpunk geht es nicht zu, es ist aber eben auch kein Punk. Schade jedoch: Bei "Scream For Tomorrow" stößt die Band deutlich an ihr Limit. Der Song soll eine Art Ballade darstellen und soll die kleine EP auflockern. Das gelingt nur bedingt. "Scream For Tomorrow" hebt sich zwar von allen Songs auf "The Advent" ab, wirkt aber zu gezwungen, wenig innovativ, generisch-obskur und deplatziert. Auch schade: Sängerin Taka erreicht regelmäßig die Grenzen ihrer Stimme und geht allerspätestens bei "Scream For Tomorrow" über eine gewisse Schmerzgrenze hinaus. Dieses Phänomen verstärkt das Gefühl, dass "The Advent" irgendwie ein "guilty pleasure" ist. Es ist diese EP, die du alleine beim Zocken hörst. Es ist diese EP, von der du deinen Freunden sagst, sie sei "okay", aber seit zwei Wochen auf repeat hörst (aber nach diesen zwei Wochen nie wieder). Es ist Festival-Musik für das Keep It True. Würde man "Scream For Tomorrow" ignorieren, wäre hier ein Punkt mehr drin. Der Song ist aber drauf. Eindeutig. Ich habe nachgeschaut! (jh)

7/10