Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

CRADLE OF FILTH - Cryptoriana

The Seductiveness Of Decay

VÖ: 22. September 2017
Nuclear Blast

Also, wenn mich in drei Tagen mal jemand fragen sollte, wie die neue Cradle eigentlich heisst: Mann, ich bin doch kein verdammtes Englischlexikon! Zweimal hintereinander ausgesprochen und die Kiefergegend samt Zungenmuskel dürfen in die Notaufnahme. Aber zum Glück ist das hier nur eine Notiz am Rande. Vor gepfefferten 23 Jahren sah ich die Band von der Insel (nein, nicht Rügen) zum ersten Mal live und fand das alles sehr interresant bis richitg geil! Über die Jahre hatte Fronthühne (hüstel) Dani Filth und seine Kapelle verschiedenste Besetzungsschwierigkeiten und damit verbundene (vermutlich?!) Qualitätsschwankungen zu verzeichnen. Also, was erwartet uns anno 2017? Ich dachte erstmal: Nicht viel. Und dann das ...
Die neue Scheibe und das aktuelle Line Up der Engländer/innen ist ... ich bin fassungslos, hatte schon lange nicht mehr das Bedürfnis, mit Kochlöffeln Luftschlagzeug zu spielen (und dies auch ausgiebig getan) und kriege eine Gänsehaut nach der anderen. Und zwar seit knapp zwei Wochen am Stück! Ich hätte keinen verfluchten Pfennig darauf verwettet, dass man ein so grandioses, atemberaubend starkes Album auf die Menschheit loslässt. Technisch ist das allererste Liga, songschreiberisch jagen sich die "Wow!"-Effekte und auch der Chef himself ist in brillianter Verfassung, abwechslungsreich und treffsicher. Was für eine Kracher-Scheibe! Egal, ob man Blastpassagen mit chorealem Gesang unterbreitet, man den bockstarken Singlehit "Heartbreak And Seance" mehrfach toppt oder echte Western-Gedächtnis-Melodien ("Spiel mir das Lied vom Tod" ... viel Spass beim Suchen!) aus der Hüfte haut. Drauf geschissen, ob man mal eben knüppelharte Thrash-Riffs zockt, nur um gleich wieder eine Melodie für die Ewigkeit zu zaubern. Völlig nebensächlich, dass man eine bedrohliche Atmospähre aufbaut, nur um sie direkt wieder niederzuknüppeln ("Vengeful Spirit"). Maiden-Harmonien ("The Seductiveness Of Decay") treffen auf tiefes Schwarz, schaurigschön vereint mit niemals nervenden (!) female Voices und punktgenau eingesetzten Keys/Streichern/Chören. Die perfekte Vertonung einer im Dunkeln lauernden Gefahr, eine Ode an alles, was mich persönlich an Musik begeistert! Alter ... alleine "Wester Vespertine" ...
Und wer es dann auch noch schafft, mich mit einer Coverversion ("Alice In Hell") zu begeistern, kriegt genau das was er/sie verdient. Ich habe Splitter von den Kochlöffeln in der Hand, bin nassgeschwitzt und kriege das Grinsen nicht aus meiner beinahe alten Visage. Ich gehe nun in den Keller und hole alles, was aussieht wie ein Punkt, denn zehn Punkte reichen hier einfach nicht aus! Glückwunsch an alle Beteiligten zu einer Leistung, die sie unsterblich machen wird! (oem)

10/10