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CRYSTAL BALL - Crystallizer

VÖ: 27. April 2018
Massacre Records

Beim ersten Hören des Albums war ich ein wenig enttäuscht, zu gleichartig schienen mir die Songs zu sein. Bevor ich ein Urteil fällen wollte, hatte ich mir aber Zeit und den ein oder anderen Durchlauf mehr gegönnt. Siehe da. Es fräste sich ein um das andere Mal mehr in die Gehörgänge. Höhepunkt der musikalischen Reise war/ist aber definitiv eine Fahrt mit dem Auto durch Oldenburg bei strahlender Sonne und knallblauem Himmel. Fenster herunter gelassen, Radio auf maximale Lautstärke eingestellt, wie der letzte Proll, kopfnickend an der Ampel stehend, nach rechts gucken und feststellen, der Typ im Auto nebenan wippt mit. Gütesiegel! Crystal Ball spielen musikalisch in der gleichen Liga wie die bekannteren Gotthard oder Shakra und stammen genau wie die genannten aus der Schweiz. Mit "Crystallizer" legt die seit 1995 bestehende Band ihr zehntes Album vor. "Crystallizer" sowie die folgenden "Curtain Call" und "Alive For Everymore" zu Beginn des Albums, liefern alle Trademarks des Genres in Bestform. Eingängiger melodischer Hard Rock mit "uuuhs" und "aaahs" an der richtigen Stelle, immer melodisch ins Ohr gehend. Mit "SOS" folgt eines dieser Stücke, bei denen man denkt, oh mann, doch eine Nummer zu viel Schmalz verarbeitet. Ich würde fast sagen, das könnte ein Song von Abba sein. Die später einsetzenden Ohrwurmqualitäten, der Chorus, der Refrain, alles miteinander verbindet sich dann aber doch zu Melodic Hard Rock im Grenzbereich zum Pop, muss man halt mal ein paar Grenzen überschreiten, um gefällig zu klingen? Ja warum nicht? Die Fraktion der harten Seite des Metals, die sofort entrüstet "Schweinemetal!" schreien. Sei drauf geschissen. Ich finde an Harmonie nichts schlimmes, auch, und besonders, in der Musik. "Let Her Go With Love" und "Exit Wound" sind die unvermeidlichen Balladen auf dem Album. Auch gelungen. Ich ertappe mich manchmal selber dabei, Ansprüche an die Musik zu stellen, die sie gar nicht erfüllen kann, weil sie dafür einfach nicht gemacht ist. Crystal Ball machen Musik, weil sie Spaß haben, Menschen zu unterhalten, ohne Anspruch auf die hohen Ehren der Musikwelt und das machen sie verdammt gut. Just for fun. Gotthard und Shakra sind in Deutschland sehr bekannt, Chrystal Ball spielen in derselben Liga, es sei ihnen gegönnt wenigstens genauso bekannt zu werden. (stl)

8,5/10