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DANZIG - Skeletons

VÖ: 27. November 2015
AFM Records

Alben, die ausschließlich aus Coverversionen bestehen, sind immer ein wenig heikel. Zum einen muss sich der Hörer überlegen, warum "seine" Band eine andere nachspielt. Als Hommage, als Tribute oder drängte die Plattenfirma auf ein Release, ohne dass eigene neue Songs parat waren? Andererseits kann es eine wahre Erleuchtung sein, wenn große Klassiker den Anstrich der eigenen Lieblingskapelle erhalten.
Glenn Danzig hat eine sehr vernünftige, wenn auch nicht völlig revolutionäre Begründung für das Coveralbum und die Auswahl der Stücke: Die Songs, die auf Skeletons gecovert werden, bilden sein musikalisches "Skelett", sind die Einflüsse, ohne die er nicht die Musik machen würde, die er macht. Die Akteure, die er dort interpretiert, reichen von frühem Metal über Psychedelic Rock bis zum soullastigen Blues. Insgesamt sind die Cover dieser CD, und dies ist wohl zumindest teilweise der Tatsache geschuldet, dass Glenn selbst bereits dieses Jahr seinen sechzigsten Geburtstag feierte, eher aus den 60er und 70er Jahren. Absolut positiv ist dabei hervorzuheben, dass es sich dabei nicht immer um die absoluten must-have-Songs der jeweiligen Künstler handelt. Zwar findet man auch ehemalige Chartspitzen darunter, etwa "With A Girl Like You" von den Troggs oder "Rough Boy" von ZZ Top, dann jedoch gehen die berühmten Songnamen bereits aus und der Hörer müsste schon zufällig ein Fan der Everly Brothers oder der Rascals sein, um den Song am Namen zu erkennen. Desweiteren ist dieses Album eine große Verbeugung vor der Art und Weise des eigentlichen Musikhandwerks, denn hier werden keine Songs nachgeleiert, oder einfach nur ein (stärkerer) Overdrive über die normale Rhythmusgitarre gelegt, sondern mit Herzblut interpretiert. Ein besonderer Leckerbissen ist dabei etwa das herrlich treibende Cover von Elvis Presley's "Let Yourself Go", einem der großen Stimmvorbilder Glenns, oder das leidenschaftlich veredelte "N.I.B." von Black Sabbath. Viele Songs, vor allem die älteren wie "Find Somebody" oder der Opener "Devils Angels", könnten jedoch beim ersten Hören an jüngeren Danzig-Liebhabern vorbeiziehen. In diesem Fall: Durchhalten und auf jeden Fall nochmal hören, vielleicht auch das Original einmal gegenüberstellen, denn hier liefert Glenn mit seinen Jungs wirklich saubere, kreative Arbeit abseits von verkaufsfördernden, ewig gleichen Beatles- und Led Zeppelin-Covern ab. (jh)

8/10