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DARK SERMON - In Tongues

VÖ: 12. April 2013
Nuclear Blast

Bei einer Band, die mit "Death Metal aus Tampa/Florida" beschrieben wird, kann sich im Grunde jeder gleich denken, worum es hier geht. Doch weit gefehlt. Auch ich bin diesem "Irrtum" erlegen und hatte das Debütalbum "In Tongues" dieser jungen Band redaktionsintern anfangs falsch zugeordnet. Dark Sermon haben mit dem typischen Florida Death Metal im Grunde gar nichts zun tun. Es ist zwar völlig korrekt, dass dieser Fünfer ebenfalls aus der Heimat von Death, Obituary, Morbid Angel & Co. stammt und ihre Musik sicherlich auch Death Metal ist, doch Dark Sermon gehen noch viel weiter und lassen sich musikalisch auch gar nicht erst limitieren. So unterschiedlich die einzelnen Songs auf "In Tongues" sind, so vielfältig sind auch die Einflüsse. Natürlich wird die Fraktion der ewig Engstirnigen wieder laut "Deathcore!" rufen, aber das tun sie ja ohnehin jedes Mal, wenn der Sound modern wird und nicht mehr ihrem Weltbild des ursprünglichen Death Metal entspricht.
Dark Sermon verarbeiten auf diesem Debüt melodische Einflüsse des europäischen Death Metal mit der Durchschlagskraft der NWOAHM (Job For A Cowboy, The Black Dahlia Murder) und garnieren das Ganze mit rauen Blastbeat-Attacken und technischem Death Metal, der gerne auch mal etwas vertrackter sein darf (Gojira). Dazu taucht im Zusammenhang mit der Band immer wieder mal der Name Behemoth auf - zugegeben, die infernalische Massivität ist durchaus vergleichbar.
Wenn die Band auf der Bühne ein ähnliches Können wie auf CD präsentiert, dann werde ich zweifelsfrei beeindruckt sein. Ob es nun Fronter Johnny Crowder ist, der mit seinen markerschütternden kraftvollen Growls überzeugt, oder die Spielfertigkeit der Gitarrenfraktion, die gerade auch in den etwas langsameren Passagen eine überragende Figur macht, oder eben die mächtige und druckvolle Rhythmusfraktion - speziell Bryson St. Angelo an dem Drums - die die treibende Kraft darstellt - "In Tongues" überzeugt durchgehend und ausnahmlos.
Und auch die Songs als solches lassen kaum Kritik zu. Wo sich andere Bands gerne wiederholen (speziell im Deathcore), halten sich Dark Sermon an keinerlei Vorgaben, Klischees oder "Richtlinien". Man nehme nur mal das treibende "Imperfekt Contrition" mit seinen griffigen Breakdowns, "Testament" mit seinen brualen Riffs und starken Soli oder den gar epischen Zweiteiler "Forfeit" ("Forfeit I - The Crooked Quill" und "Forfeit II - Worn Thin") mit seinem massiven Groove. Auch tempomäßig ist man sehr variabel und abwechslungsreich. Gerne und oft in höheren Regionen, aber auch schleppende Midtempo-Grooves fehlen nicht ("The Tree Of New Life").
Wer in Sachen Death Metal nicht in den 90er Jahren stehengeblieben ist, vor einem modernen Sound inklusive (gelegentlicher) Breakdowns nicht zurückschreckt und für wen die Bezeichnung Deathcore (die hier ohnehin nur bedingt zutrifft) kein Schimpfwort ist, sondern eine logische Weiterentwicklung darstellt, der sollte "in Tongues" unbedingt eine Chance geben - ich bin jedenfalls vollends überzeugt. So darf moderner Death Metal im Jahre 2013 gerne klingen! (maz)

8,5/10