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DAWN OF WINTER - Pray For Doom

VÖ: 07. Dezember 2018
I Hate Records

Alle zehn Jahre einen Longplayer zu veröffentlichen - das nenne ich mal Doom Metal. Aber auch die Tatsache, dass etwas Banales wie das Eiskratzen der Windschutzscheibe um 4:15 Uhr eine ganz neue Bedeutung bekommt, wenn man bei -4 °C den Weg zur Arbeit mit dem Song "Father Winter" unterlegt.
Man kann es aber drehen und wenden, wie man will - das dritte Album der Baden-Württembergischen Vorzeige-Doomster lässt die Essenz des Doom Metal wieder in gleißendem Licht erstrahlen. Als wüssten sie genau, dass dieses Album auch noch zur richtigen Jahreszeit veröffentlicht wird, ist das besagte "Father Winter" ein unter die Haut gehender Abschluss, dessen von Gerrit P. Mutz (Sacred Steel) wie immer voller Leidenschaft intonierter Refrain ähnliche Gefühle vermittelt, wie seinerzeit der Song "Lay Me To My Grave" (auf Sacred Steels Machtwerk "Slaughter Prophecy"). Worauf ich hinaus will? Auf die Beständigkeit, fast schon Besessenheit, aus der ehrliche und leidenschaftliche Musik entsteht. Die minimalistischen Riffs, die immer ins Schwarze treffen, episch-tragische Melodiebögen, die unter die Haut gehen. Man ist böse ("The Thirteenth Of November"), beklemmend ("Paralyzed By Sleep") oder zelebriert das Unausweichliche (der Titelsong). Mit "The Orchestra Bizarre" kommt ein bisschen Bewegung in die Bude und selbst der mich in dezente Panik versetzende Titel "Woodstock Child" ist ein zum Albumkontext passender Song, der Gott sei Dank nicht die Hippie-Fraktion bedient, sondern textlich viel mehr Erinnerungen an eine frühere, unbeschwerte Zeit mittels Musik transportiert … immer gerne, solange keiner "es war die schönste Zeit…" säuselt …
Zurück zum Thema: Ich kann mich täuschen, aber dem neuen Dawn Of Winter-Album wohnt etwas sehr Finales inne und trifft damit fast ein wenig den Zeitgeist - und das mit zeitloser Musik. Ein beeindruckendes Kunststück. (sw)

8,5/10