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DEADSMOKE - Mountain Legacy

VÖ: 29. September 2017
Heavy Psych Sounds

Deadsmoke wurden 2015 in Italien gegründet und haben sich offenbar zum Ziel gesetzt, Musik zu kreieren, die der "Sommer-Sonne-Pizza"-Atmosphäre ihres Heimatlandes so kontrastreich wie möglich gegenübersteht. Der gleichnamige Erstling erschien 2016, nun wartet bereits der Nachfolger "Mountain Legacy". Und der hat es in sich: Deadsmoke sind dunkel, depressiv und sauschwer, instrumentale Parallelen zu Electric Wizard sind eindeutig. Deutlichste Entwicklung seit dem Debüt: Der Neuzugang Claudio Rocchetti bringt eine neue Sound-Schicht ins Songwriting ein: Synthesizer und Noise-Spielerei. Wer jetzt verzweifelt oder den "Oh-Gott-jetzt-machen-sie-Elektro"-Schock durchlebt, darf sich jedoch beruhigen, auf "Mountain Legacy" sind diese Elemente sehr vorsichtig und zurückhaltend eingebaut, niemals melodisch und eher "riff-begleitend" als "riff-tragend". Ausarten tut diese Neuerung eigentlich nur im Track "Forest Of The Damned". Hier verliert sich das Songwriting, falls man es an dieser Stelle überhaupt noch so nennen kann, in einem seltsamen Dschungel aus Noise- und Synthie-Horroreffekten, die den ein oder anderen durchaus etwas zu langatmig sein können. Andererseits: "Mountain Legacy" will nicht gefällig sein, möchte seine Kanten und Ecken betonen, ähnlich wie Boris oder Conan dies seit Jahren tun. Es fließt zäh und ekelerregend, die Horror-Thematik wird überragend umgesetzt. Es handelt sich um eine Doom-Platte, die vollends in Hass und Verzweiflung untergeht, in Teilen vergleichbar mit der Atmosphäre, die Ophis, Autokrator oder ganz frühe Shining erzeugen, nur eben langsamer gespielt und mit völlig vernichtendem Basssound. Hier bietet eine Band dieses Genres auch endlich einmal interessante lyrische Umsetzungen. Es geht um Isolation, um die Stimmen im eigenen Kopf, um die generelle Abwesenheit von Stille überall auf der bekannten Welt. Es wird ein Bild gemalt von drückender, allumfassender Schwere, einem Treibsand aus Alltagswahnsinn. Und diese Lyrics werden durchaus auf einem guten Niveau verarbeitet, sie sind kein Füllmaterial, sondern fließen perfekt in die wirklich ekelhafte Atmosphäre der Scheibe ein. Der Hörer kann in das Gefühl des grummelnden, fast selbstsprechenden Berges "hineinrutschen". Die paar Tracks und Passagen, die schneller nach vorne gehen, fühlen sich beinahe ein wenig Entombed-ähnlich an, gerade "Hiss Of The Witch" hat das Potential, eine der größten Nummern des Genres zu werden, ein Evergreen, ein klassischer Repeat-Song. Luft nach oben ist jedoch drin: Zu gleichförmig bleibt die Scheibe, trotz des neuen Künstlers an den Electronics. Andererseits darf hier niemand erwarten, an die Hand genommen zu werden, im Gegenteil. "Mountain Legacy" stößt auf eine Weise ab, die nur wenige Bands bisher so gekonnt vertont haben. Wenn Hipster-Doomster über Marihuana singen, wäre es bei Deadsmoke eine Mischung aus Meth und Badesalz. Davor gilt es in diesem Genre den Hut zu ziehen. Make Doom miserable again! (jh)

8/10