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DEGIAL - Predator's Reign

VÖ: 24. November 2017
Sepulchral Voice Records

Nein, tut mir leid. Geht nicht anders. Die neue Degial muss komplett anders angegangen werden. Im Jahr 2017 hat die Welt wahrscheinlich jede machbare Note zu hören bekommen, in allen Stimmungen, in allen Variationen, in allen Strukturen. Die Möglichkeit, etwas völlig Neues zu erschaffen, ist komplett im Sande verlaufen. Songwriterische Finesse, opulente Inszenierungen, ehrfürchtige Verneigungen, quasi-Kopien, Vintage-Rückwärtsrollen - all das ist heutzutage die Basis der neuen Qualität. Viel gut, viel schlecht, viel peinlich, viel charmant, viel komplett durchgeknallt (sowohl positiv, als auch negativ). Dass ein Album wie "Predator's Reign" in diesem Überfluss überhaupt möglich ist, grenzt eigentlich an ein Wunder. Diese Vehemenz, die Erbarmungslosigkeit, die absolut bedingungslose Hingabe, die Unberechenbarkeit und die (bzw. in der) über alle Maße hinaus entfesselte Darbietung, verbunden mit einer Handwerkskunst, die auf diesem fast schon an Fanatismus grenzendem Niveau erschlagend beeindruckend ist - als Hörer bekommt man da echt Schnappatmung! Dieses Album extrahiert die charakterliche und ideologische Essenz des Death Metal fast bis zur absoluten Reinheit. Quasi das zweite (oder gar das dritte?!) Paar Scheuklappen, durch welches Degial ein Monstrum erschaffen haben, welches aktuell seinesgleichen sucht.
Ich kann zwar selbst nicht fassen, was ich hier gerade schreibe, aber ich höre dieses Album immer und immer wieder und bin auch immer wieder versucht, in Deckung zu gehen. Die so herrlich naturbelassenen Drums blasen jedem Trigger-Anhänger alle Lampen aus (an den Kesseln geschieht wirklich Unfassbares!), der Gitarrensound verpasst einem permanent Ohrfeigen, die Jammerhaken-Soli sind an Aggressivität nicht mehr zu überbieten und nur die Vocals und die ultra finstere Grundstimmung arbeiten im Grenzbereich zum Black Metal. Unheiligkeiten wie "Thousand Spears Impale", "Triumphant Extinction" oder "Hellstorm" tragen ihre Namen wahrlich zu Recht, weil die Songs tonal genau das wiedergeben. Und wenn wir schon bei Details sind - "Devil Spawn" wird bei zukünftigen Gigs Inventar schädigende Tumulte nach sich ziehen. Club-Besitzer sind hiermit gewarnt.
Definiert man Death Metal so, wie ihn Morbid Angel Anfang der Neunziger losgetreten haben, also mit Blasts, technischem Anspruch, furios und blasphemisch, so lässt "Predator's Reign" derzeit keinen anderen Schluss zu - mehr Death Metal geht nicht! (sw)

9,5/10