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DIMMU BORGIR - Eonian

VÖ: 04. Mai 2018
Nuclear Blast

Wenn eine Großmacht zur den Waffen ruft, fragt man sich immer, ob es das Warten wert war. Hat sich vorhergegangenes Säbelrasseln gelohnt, hat der Tiger noch scharfe Krallen? Vor wenigen Tagen war es dann soweit und nach einer katastrophalen Single-Auskopplung, war ich mehr als nur skeptisch. "Eonian" startet erst mal mit kurzen, industriellen Klängen. "The Unveiling" heißt der Opener und geht recht schwungvoll los (leichter Cyber-Touch), bevor ich bereits nach knapp 90 Sekunden das erste Mal schwer schlucken muss. Die Norweger kommen mit soviel Bombast und Kitsch um die Ecke, dass es selbst für ihre Verhältnisse arg gewöhnungsbedürftig ist. Keys und Chöre sind allgegenwärtig, nahezu in völliger Dominanz verankert ("Interdimensional Summit"). Mit Song Nummer drei ,"Aetheric", kommen wir der Sache dann doch noch näher. Netter Satyricon/Immortal-Sound trifft auf typischen Dimmu Borgir-Stoff. Dennoch nehmen die Norweger auch hier wieder unnötig Wucht aus der Basis, indem sie teils fürchterliche Ping-Pong Keyboards (an die man sich aber wirklich gewöhnt) draufkleistern und somit den Genuss etwas schmälern. Schade. Auch "Council Of Wolves And Snakes" erfährt ein ähnliches Schicksal, viel zu selten kommt man mit echten Riffs aus der Hüfte geschossen. Ich muss zwar zugeben, dass man wirklich Ohrwürmer geschaffen hat, die sich regelrecht festbeißen, aber leider ist das kein Indiz für unstreitbare Qualität. Wobei "Streiten" sicher das Wort für diese Scheibe ist, denn endlose Diskussionen wird sie sicher auslösen. Nehmen wir doch einfach mal den nächsten Song. "The Empyrean Phoenix" geht erst mit dem unverkennbaren Sound der Band los, startet also richitg geil, bis man zähneknirschend recht nervige Töne aus dem Tasteninstrument ertragen muss. Vielleicht wäre hier weniger einfach mehr gewesen.
Ist das Album also nun ein Reinfall? Nein, sicher nicht, zumindest nicht in meinen Augen, da es wirklich extrem wächst und bei jedem Durchgang besser gefällt. Auch wird man sehr erfolgreich mit dem Teller unterwegs sein, da es vom Sonic Seducer- und Orkus-Leser, bis zum Wacken-Fan (ich möchte hier ausdrücklich niemanden beleidigen) eine sehr breite Fanschicht anspricht und sogar ein alter Sack, wie ich es bin, dem Ding etwas abgewinnen kann. Mit etwas mehr Mucke aus dem Bauch heraus, und weniger Kitsch, wäre sogar noch mehr drin gewesen. (oem)

7,5/10