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E-PROTOOL - No One Left To Trust (EP)

VÖ: 21. August 2013

Lange war es still um E-Protool aus dem Raum Oldenburg. 2010 erschien die letzte EP ("I.K.U.H.") und 2012 folgte dann der große Knall: Sänger weg, Bassist weg, doch die kurz darauf angekündigte Auflösung der Band wurde dann schließlich doch widerrufen. Mit teils erneuerter Mannschaft und leicht verändertem Sound starten E-Protool Anno 2013 also wieder voll durch. Die offensichtlichste Neuerung ist dabei Fronter Florian, der zwar durchaus ein schweres Erbe antritt, dieses aber mit Bravour meistert und sich stimmlich (wie die Band auch musikalisch) grob zwischen Death-, Metal- und auch Hardcore bewegt. Live hat mich das sogar ein bisschen an Parkway Drive erinnert, doch auf CD wäre dieser Vergleich dann wohl doch etwas zu weit hergeholt. Interessant übrigens, dass die Band - wie ich erfahren habe - auf Konzerten grundsätzlich keine alten Songs mehr spielt. Man scheint also mit der Vergangenheit wirklich abgeschlossen zu haben. Musikalisch ist der ursprüngliche Weg allerdings weitestgehend ähnlich geblieben. Der Fünfer versieht die bewährten Zutaten in diesem Genre (vor allem dezente und platzierte Breakdowns, sowie variables Tempo) hin und wieder mit klaren Querverweisen (Riffs) in Richtung alten schwedischen Melodic Death Metal - man höre nur mal das Ende von "Of Friendship And Might".
Die fünf Songs auf dieser EP (sechs inklusive Intro) sind allesamt kaum miteinander vergleichbar, weil jeder einzelne für sich genommen sehr individuell ist - genau so stelle ich mir eine abwechslungsreiche und rundum gelungene Veröffentlichung vor. Dabei sind vor allem die variablen Vocals definitiv eine Bereicherung. Absoluter Höhepunkt ist sicherlich der extrem ruhige und clean gesungene, fast schon geflüsterte Beginn von "Deathdreamer", den ich so niemals erwartet hätte, und der diesem Titel noch das letzte i-Tüpfelchen verpasst.
"No One Left To Trust" bietet ordentlich neues Futter für den Pit, bleibt sich selbst und der Linie der Band zwar treu, überzeugt aber mit dem einen oder anderen überraschenden Einfall. Meine anfängliche Skepsis wegen "des neuen Sängers" erweist sich zum Glück als vollkommen unbegründet, denn genau diese Umbesetzung ist durchaus ein Pluspunkt. Zudem sind Klang und Produktion im Vergleich zur bereits erwähnten letzten EP deutlich besser - es gibt also keinen Grund, sich diese Gratis-EP nicht herunterzuladen. (maz)

8/10