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EBONILLUMINI - Arktos

VÖ: 01. Juni 2015
Wickerman Recordings

"Arktos", so nennt sich das aktuelle Album der Avantgardisten von Ebonillumini und bietet über eine Stunde musikalische Ergüsse. Jedem Track wurde neben dem eigentlichen Titel noch in Klammern ein Ortsname zugewiesen. Damit soll das Album das Konzept einer Reise verfolgen. Ähnlich wie eine Reise sind auch die einzelnen Songs aufgebaut. Hier gibt es keine klaren, festen Strukturen, wie man sie von üblichem Liedgut kennt. Es gibt keine Strophe, keinen Refrain, kein Solo und keine Bridge. Jeder Song nimmt den Zuhörer mit und schreitet voran auf verschiedenen Ebenen.
Ebonillumini schrecken dabei vor keinem Stilmittel zurück. Taktarten werden alle paar Takte gewechselt. Das Tempo scheint teilweise vollkommen willkürlich zu flukturieren, als sei die Natur selbst der Dirigent des Ganzen. An einigen Stellen spielt das Schlagzeug völlig neben dem Song.
Während die Sängerin sich einer melancholischen, lethargischen Phase widmet, prügelt der Drummer Blastbeats ein und die übrigen Instrumente halten sich auch eher bedeckt, langsam und "clean". Apropos Gesang: Den Hauptteil der Vocals übernimmt die Sängerin auf dieser Scheibe.
Dabei wird anscheinend Wert darauf gelegt alle möglichen Dissonanzen aneinanderzureihen, die einem auch nur irgendwie in den Sinn kommen. Nur in ganz seltenen Momenten, wie zum Beispiel in "Land Where The Wild Grapes Grow (Vinland)" kommt man einmal in den Genuss einer leicht melodischen Gesangsführung. Angesprochener Song ist im Vergleich zum restlichen Album sogar ziemlich poppig gehalten, da man hier sogar so etwas wie einen Refrain erkennen kann. Wer sich den Song anhört, weiß dann aber recht schnell, wie absurd die Bezeichnung "poppig" für diesen Song doch ist. Ebenso schnell wird einem dann aber auch klar, wie abgefahren dann der Rest des Albums im Vergleich zu diesem Stück ist.
Technisch und musikalisch ist "Arktos" auf absolut höchstem Niveau, kommt aber so abgehoben und unzugänglich daher, dass es sogar für den geneigten Hörer progressiverer Klänge vielleicht ein wenig zu viel auf einmal ist. Einer meiner Kollegen fasste das ganz gut zusammen: "Nichts gegen progressives Zeug, aber man
kann es auch übertreiben.". Ich denke das trifft den Nagel durchaus auf den Kopf.
"Arktos" ist kein schlechtes Album, aber es ist viel zu anstrengend und schwer zu verdauen, als dass man es ohne Weiteres genießen könnte. (cl)

6,5/10