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ECHELON - The Brimstone Aggrandizement

VÖ: 22. Dezember 2016
Transcending Obscurity Records

Dave Ingram (Hail of Bullets, ex-Bolt Trower, ex-Benediction) und Rogga Johansson (Paganizer, Demiurg, Megascavenger, usw.) machen zusammen Musik - da kann einem schon mal der Sabber den Mundwinkel runterlaufen. Da auch der Rest der Bandmitglieder aus alles anderen als Frischlingen besteht, ist die Erwartung an das zweite Album von Echelon natürlich hoch. Schade nur, dass mir an diesem Samstagmittag einfällt, dass ich noch in die Stadt muss, um ein Geschenk für meine Tochter für Weihnachten abzuholen. Dabei war geplant, jetzt das Review zu verfassen, also was tun? Des Rätsels Lösung ist einfach, Album auf den MP3 Player gezogen, auf das Fahrrad gesetzt, play gedrückt und los geht's. "Plague Of The Altruistic" eröffnet den Death Metal Reigen und beginnt schleppend, erinnert dabei an Bolt Thrower, die Gitarre zaubert im Refrain eine unheimliche Melodie, um dann im zweiten Drittel das Heft in die Hand zu nehmen, das Tempo steigt und wird von einem schönen Solo flankiert. Ich beschliesse, den Weg über den Weihnachtsmarkt zu nehmen, was sich als großer Fehler erweißt. Ich fühle mich wie Rick Grimes in "The Walking Dead", Horden von vermeintlich Untoten die scheinbar ziellos umher wandern, weit aufgerissene Augen, wirre Blicke, beängstigend. Die flotten "The Forbidden Industry" und "Lex Talionis", welches mit seinem Solo gradezu in epische Bereiche vordringt, ballern mir wieder Mut in die Gehörgänge und schärfen meine Sinne. Die Gittarenmelodien lassen mich einen Moment träumen, brutal werde ich aus diesen gerissen, eine Gruppe von Menschen, die sich alle rote Elchgeweihe auf den Kopf gestülpt haben, laufen singend in meine Richtung, der Anführer gibt sich durch eine Weihnachtsmütze zu erkennen, die in allen LED-Farben auf seinem Kopf leuchtet. Durch einen beherzten Sprung bringe ich mich an einer Glühweinbude in Sicherheit. "Of Warlocks And Wolves" lässt mich den Schrecken für einen Moment vergessen, das Riff ist klassischer Heavy Metal, der Refrain sitzt und die Gitarren hauen wieder Melodien in bester Schweden Death Manier raus und Blastbeats gibt es auch noch - eine grandiose Nummer und das Highlight des Albums. Ich ziehe meine Kapuze über mein Gesicht und kämpfe mich durch die Massen an dem Tresen, nur nicht auffallen, ich bestelle mir erstmal einen Eisbrecher und lasse die Musik pausieren. Platz ist neben dem Kinderkarussell, wo ich mich in Sicherheit wiege. Aus den Karussell-Boxen erklingt Wolfgang Petry Weihnachtsmusik, schlimmer waren im letzten Jahr nur noch diese singenden Chipmunks. Vor Schreck trinke ich meinen Eisbrecher auf ex und verbrenne mir dabei meinen Hals, ich schreie auf und ziehe somit die Aufmerksamkeit der Meute auf mich, die Menschenmassen wirken unüberwindbar. "The Brimstone Aggrandizement", "Vital Existence", "The Feared Religion", schnelle Death Metal Brecher, die wie eine Mischung aus den bisherigen Bands von Ingram und Rogga Johansson klingen, englischer Death meets Schweden Death, der ohne zu viel Firlefanz auf den Punkt kommt. Das Kaufhaus ist nicht mehr weit, die Musik wird aufgedreht bis zum Anschlag, das Album macht einfach Spass und mit einem Grinsen auf dem Gesicht pflüge ich durch die Massen, wie einst die Reiter Rohans durch die Orcs. Ich bin in der Spielzeugabteilung angekommen, "Monsters In The Gene Pool" erklingt am Anfang mit dem Lachen von Vincent Price. Selbiges, das man auch auf Michael Jackson's Thriller hören kann, und verkündet meinen Sieg, das Baby Born Doppelbett ist in meinen Händen, da fällt mein Blick auf die meterlange Schlange an der Kasse, heulende Kinder, motzende Väter und hysterische Mütter, aufgeben so knapp vor dem Ziel? Das klasse Album von Echelon wieder von vorn, mein Blick fällt auf die Kinder-Star Wars Lichtschwerter, die Wahl fällt auf das rote von Darth Vader. Möge die Macht mit mir sein, es ist noch nicht vorbei. (tf)

8,5/10