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EISBRECHER - Schock

VÖ: 23. Januar 2015
AOR / Sony Music

Eisbrecher existieren seit 2003 und sind seitdem eine Institution des NDH-Genres. NDH, das heißt "Neue deutsche Härte" und genau das ist es, was einen beim neuen Album "Schock" erwartet und auch so um die Ohren gehauen wird. Deutschsprachiger harter Rock, mit einfachen Songstrukturen, leicht düster angehauchten Texten, dabei immer recht tanzbar (das Stichwort heißt EBM) und geradlinig. Angepriesen wird das Album als das härteste, das Eisbrecher jemals veröffentlicht haben. Hier muss ich das erste Mal den Rotstift ansetzen. Es finden sich sicherlich ein paar Kracher auf der Platte, die man durchaus als hartes Brett bezeichnen kann, im Großen und Ganzen gehen die Songs aber eher in eine melancholische und sanftere Richtung. Beinahe könnte man behaupten, man habe sich hier fleißig am Material vom Grafen von Unheilig bedient. Stücke wie "Rot wie die Liebe", "Schlachtbank", "Noch zu retten", "Der Flieger" oder auch zum Teil der Titeltrack "Schock", bedienen sich langsamerer Tempi, verhaltenerem Gesang und einer eher weinerlichen Stimmung, als der sonst vom Genre bestimmenden Energie und Härte. Als große Überraschung muss ich allerdings gestehen, dass der Opener "Volle Kraft voraus" ein echter Sack voller Knüppel ist. Schöner uptempo-Beat, ordentlich eingestreute elektronische Sounds, kerniger Gesang und auch der Text ist durchaus brauchbar. Wenn Alex Wesselsky "volle Kraft voraus" befiehlt, dann merkt man, dass er weiß, wovon "Der Checker" spricht. Der Song bekommt von mir auf jeden Fall volle Punktzahl!
Der Rest der Tracks ist nicht schlecht, aber auch nicht unbedingt erwähnenswert. Im Allgemeinen sind die Texte keine hochpotenten lyrischen Perlen, was aber auch Geschmackssache ist.
Fazit: Man bekommt, was man erwartet: ein Eisbrecher-Album. Die Truppe um den charismatischen Sänger Alex Wesselsky erfindet sich und das Rad nicht neu (und das muss sie ja auch nicht), liefert aber ein Gesamtpaket ab, das eingefleischte Fans vielleicht nicht unbedingt ganz befriedigt, aber auch nicht völlig enttäuschen wird.
Wer hier ein Album voller Bretter wie z.B. "Miststück" von Megaherz erwartet, der wird mit Sicherheit etwas enttäuscht werden, und ist vielleicht besser mit Megaherz' neuem Album "Zombieland" bedient, obwohl Alex definitiv die bessere Stimme hat (parallel zu "Schock" habe ich nämlich auch da mal reingehört, um zu sehen, wie sich Alex' alte Band entwickelt hat).
"Schock" ist kein großartiges, aber auch kein mieses Album. Der eine wird's mögen und der andere eben nicht. Anspieltipps: "Volle Kraft voraus", "So oder so", "1000 Narben". (cl)

6/10