Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

ENSLAVED - E

VÖ: 13. Oktober 2017
Nuclear Blast

"Vielleicht öffnen sie auf "In Times" einfach nur manchmal ein paar Fenster, aus denen sie sich nicht zu weit hinauslehnen sollten."
Ui, da habe ich mich ja bereits vor zwei Jahren ziemlich aus dem Fenster gelehnt, denn auch wenn Enslaved wahrscheinlich nicht ohne Stolz ihr neues Werk schlicht "E" taufen, bereiten sie mir aktuell echt Kopfzerbrechen. Zuerst möchte ich sagen, dass der Weggang von Keyboarder/Clean Sänger Herbrand Larsson seinerzeit schon ein bisschen zu denken gab, sein Nachfolger Hakon Vinje aber einen exzellenten Einstand gibt und man auf dieser Seite schon mal nicht meckern darf.
Jetzt aber … "E" ist im Fluss mit sich selbst, ein sechs Songs umfassender 50 Minuten-Trip. Und dieser startet mit "Storm Son" erst mal stark. Ein ruhiges Intro, ein Shoegaze-Part, dann Enslaved-scher Prog, Sphärisches und dann die wuchtige Keule mit harten Riffs und erhabenen Clean Vocals und dann den Song irgendwie mit einer Rolle rückwärts zu Ende bringen. So weit, so unnahbar. "The River's Mouth" klingt mit fünf Minuten gestrafft und kompakt und recht direkt, obwohl … "Sacred Horse" beinhaltet wohl die vergleichsweise stäksten BM-Vibes, die aber "sauber" in der Mitte mit einer entrückten Lead-Gitarre und einem Hammond-Solo gekontert werden. Und danach fange ich selbst an, mich in den Songs zu verlieren. So freaky "Axis Of The Worlds" auch ist, "Feathers Of Eolh" mich immer wieder ein "Puh!" auf meinen Notizblock kritzeln lässt und ich das Saxophon in "Hiinsiight" (hat Ihsahn den Typen vermittelt?) nicht unbedingt gutheiße - es ist ja künstlerisch nichts Schlechtes an "E". Das eingangs erwähnte Statement führt mich aber immer wieder zu der Frage, "wie weit wird der Fan diese Suche nach neuen unbekannten Regionen noch mitgehen?". Mir wäre es lieber, die Bergener würden ihr hörbar eingeschaltetes Hirn mal wieder in greifbarere Bahnen lenken. Ich selbst bin erst spät mit "Vertebrae" eingestiegen und fand Gefallen daran.
Da ist mal ein Schuss vor den Bug nötig, weswegen ich einen ganzen Punkt zu "In Time" abziehe. Damit kommen Enslaved noch gut weg, dann an einem schlechten Tag würde ich wahrscheinlich nie über eine 6 hinaus kommen. Bis jetzt hatte ich gute Tage und kann mir ein letztes Lachen auch nicht verkneifen, wenn das Label die, die Journalisten mächtig in den Wahnsinn treibende, Wandelbarkeit der Band aus einer Not heraus (?) nur noch als "Extreme Metal" bezeichnen. (sw)

7,5/10