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ESCAPE THE FATE - I Am Human

VÖ: 30. März 2018
Eleven Seven Music

Was passiert mit einer Band, die bereits 15 Jahre lang (mehr oder weniger gemeinsam) Musik macht? Die erste Intuition schreit bei so ziemlich jedem im Kopf: Man wird Mainstream. Und ja, dieser Vorwurf trifft auf die allermeisten Bands auch genau so zu. Und Escape The Fate sind da keine Ausnahme. Allerdings muss man ihnen zugutehalten, dass sie auch nie so wirklich weit vom Mainstream entfernt waren. Nicht umsonst hat ihr größter Hit "Situations" stolze 55 Millionen Klicks auf YouTube - das kann nicht alles nur von "Teenie-Emos" kommen. Früher lief die Band noch unter Post-Hardcore, einem Genre, mit dem ihre Musik heute nur noch wenig verbindet. Vergangen sind Screams, Shouts und harte Riffs, gekommen sind refrainlastige Rocksongs, die zwar lyrisch noch genauso emotional aufgeladen sind wie damals, und mit Titeln wie "Broken Heart", "Beautifully Tragic" oder "Digging My Own Grave" der alten Schnulzen-Schmuse-Depri-Romantik aus vergangener Zeit in nichts nachstehen, ist konträr dazu die musikalische Untermalung der Lyrics überraschend positiv gestaltet.
Wer also oldschool Post-Hardcore erwartet, der könnte eine herbe Enttäuschung erleben. Gut, dass ich euch daher vorwarne. Wer aber wie ich, ganz offen an das neue Album "I Am Human" herangeht, der wird auch viele Gemeinsamkeiten zu früheren Werken der Band feststellen. So ist die Stimme von Frontmann Craig Mabbit einfach so individuell, dass er tatsächlich etwas Nostalgie in dem einen oder anderen erwecken könnte, wenn er wieder durch die heimischen Boxen dröhnen darf. Auch die bereits angesprochenen Lyrics hüllen uns in altbekannte Wärme und sorgen dafür, dass wir nicht zu abgeschreckt sind, von einer immer stärker von früheren Songs abweichenden musikalischen Entwicklung. Doch bei den Lyrics muss ich eine Anmerkung machen, die mich einfach fuchsig macht. Insgesamt macht das Album einen halbwegs erwachsenen Eindruck, man hat seinen Style gefunden, wird nach typischem Muster etwas poppiger, soweit alles verständlich und normal, aber warum … waaarum muss man mit "Empire" einen "Girls, Saufen, Party-Song" machen? Lyrisch ist das so unkreativ, unpassend und lächerlich umgesetzt, da würden sich Attila für schämen.
Aber gut, da wir ja 13 andere Songs haben, kann man diesen einen lyrischen Ausfall wohl verkraften. Unterm Strich haben wir mit 14 Songs und etwa 46 Minuten Spielzeit, eine entspannte Unterhaltung und durchaus ein Album, dass man sich gerne öfter durch die Ohrmuschel rauschen lassen kann. Sowohl langjährige Fans, als auch neue, können an dem Album viele positiven Seiten finden. (zeo)

8/10