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GEEZER - Psychoriffadelia

VÖ: 09. Juni 2017
Kozmik Artifactz

Wer sich mit einem so prominenten Namen, wie dem eines der Gründungsmitglieder von Black Sabbath schmückt, muss sich Gefallen lassen, zumindest in den groben Kontext der Band gestellt zu werden. Das klappt bei Geezer auch ganz gut, denn die Band spielt eine nette Mischung aus Heavy Blues und Stoner. Aber von Anfang: Es handelt sich hierbei in der Tat um eine Band, in der Geezer Butler, seines Zeichens Bassist und Gott-Entität bei Black Sabbath, nicht spielt. Geezer Butler selbst spielt zwar in einer Band namens Geezer“ früher auch in einer Kapelle namens Geezer Butler Band, um beide geht es hier naber icht. Die eigene Band Geezer zu nennen, obwohl es eine Band namens Geezer schon mit Geezer Butler selbst am Bass gibt, ist vielleicht ein wenig merkwürdig. Auch ein wenig merkwürdig ist, dass die hier rezipierten Geezer verblüffend wenig Spuren im Internet hinterlassen haben, abgesehen von einer Facebook- und Bandcamp-Präsenz und ein paar YouTube-Fußabdrücken. Unterstellen wir erst einmal keine böse Verwechslungsabsicht, sondern wenden wir uns der Platte "Psychoriffadelia" zu. Die Scheibe wurde in den berühmten RedBird-Studios, direkt am New Yorker Time Square aufgenommen. Die Produktion ist sehr erdig und hart, insgesamt wirkt die Platte damit metallischer als die Outputs von Genrekollegen wie Duel oder Witchcraft. Der erste Song, "Hair Of The Dog" ist eine Stoner-Hymne mit hohem Mitsingfaktor, stilistisch in der Umsetzung ein wenig vergleichbar mit den Songs der mittleren Schaffensphase von Fu Manchu, jedoch nicht an das Kult-Niveau herankommend. Und dann kommt es: "Stressknots". Der zweite Song beginnt, und man darf sich schon ein wenig wundern, denn hier klingt gerade der Anfang verdächtig nach einer der größten Stoner-Doom-Hymnen überhaupt (die hier nicht genannt werden soll). Es sind andere Töne und eine andere BPM, dennoch ist die Ähnlichkeit derart frappierend, dass dies unmöglich an der Band vorbeigegangen sein kann. Eine Hommage oder ähnliches findet sich bei der Band auf keinem der erwähnten Portale. Nun ja, der Song ist interessant und ansonsten keine Kopie der hier nicht erwähnten Hymne, der Gesang überrascht nach "Hair Of The Dog" positiv. Eine gute Packung, aber ein fader Beigeschmack bleibt. Der Titeltrack, stolze zehn Minuten lang, besticht mit einer noch schwereren Stoner-Atmosphäre und ist auch insgesamt der spacigste auf der Platte. Die letzten Beiden, "Red Hook" und "Dirty Penny" lassen es wieder ruhiger angehen und besinnen sich deutlich mehr auf Blues-Elemente, als alles, was Geezer davor gemacht haben. Insgesamt wirkt "Psychoriffadelia" erwachsener und kreativer als die Vorgänger, die Stimmung in den letzten beiden Tracks ist ernster. Gerade "Dirty Penny" ist schön jammy und erinnert entfernt an ruhigere Songs von Eta Lux oder Trouble. Das etwas schwergängige "Red Hook" hingegen hat leichte Americana-Einflüsse, was wiederum neu und unerwartet für Geezer ist. Die Platte wirkt in sich unentschieden, ein roter Faden ist schwer erkennbar, vielleicht auch gar nicht beabsichtigt. Getragen wird das Ganze eigentlich vom musikalisch sehr hochwertigen "Dirty Penny" und dem Titeltrack, denn ganz ehrlich: Die Ähnlichkeit von "Stressknots" mit besagtem Stoner-Doom-Track irritiert. Und der Intro-Track ist übrigens, ohne dass man sich die Mühe macht, dies irgendwie auf der Platte oder auf Bandcamp zu markieren, ein Cover von Nazareth. Kein schlechtes, aber mit dem Hauptriff von "Stressknots" ist die fehlende Rezeption von Nazareth seitens der Band nochmal irritierender. Die Platte schwimmt knapp über dem Durchschnitt und weiß nur stellenweise zu gefallen, der Titeltrack ist nett, technisch sogar sehr gut, aber insgesamt zu fade. Dass "Dirty Penny" am Ende der Platte steht, ist ein guter Zufall oder Kalkül, denn der Rausschmeißer sorgt zumindest für ein Happy End. (jh)

6,5/10