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GHOST BRIGADE - IV - One With The Storm

VÖ: 07. November 2014
Season Of Mist

Ich stelle mir gerade vor, wie es wohl wäre, wenn ich "IV - One With The Storm" nicht hier und heute, Anfang November, bei 3°C Außentemperaturen und mit einem Heißgetränk auf dem Sofa anhören (bzw. genießen) würde, sondern im Hochsommer auf einem Festival unter einem Pavillon sitzend - wahrscheinlich würde auch das vierte Album von Ghost Brigade nur sehr bedingt bis gar nicht funktionieren. Es scheint also alles schon so seine Richtigkeit mit der Wahl des Veröffentlichungsdatums zu haben.
Das (fast schon) Überalbum "Until Fear No Longer Defines Us" liegt bereits über drei Jahre zurück - eilig hat man es in Finnland scheinbar nicht. Ähnliches gilt auch nach wie vor für die Musik des Sechsers, die sich meist schleppend ihren Weg durch die Winterlandschaft bahnt. Mal zerbrechlich, mal erhaben und anmutig und dann wieder aggressiv - bei Ghost Brigade kommt es nicht darauf an, möglichst unterhalb der 4-Minuten-Marke zu bleiben, sondern ein Song ist dann fertig, wenn die entsprechenden Gefühle transportiert wurden. Und das dauert je nach Titel meist zwischen fünf und sieben Minuten, im Falle des durchaus an Katatonia erinnernden Longtracks "Electra Complex" auch mal mehr als zehn Minuten.
Auch wenn ich oftmals das Fehlen von "richtigen" Hits kritisiere (die hier ebenfalls kaum auszumachen sind), bei Ghost Brigade kommt es darauf aber auch überhaupt nicht an. Hier werden düster-melancholische Kunstwerke zelebriert, die mal einen Hauch elektronischer ausfallen (der Opener "Wretched Blues"), mal einen fast schon eingängig-"fröhlichen" Refrain bieten ("Departures"), ein bisschen Gothic-Flair versprühen ("Stones And Pillars"), auch mal in Richtung Soundgarden/Red Hot Chilli Peppers (!) tendieren (das rockige "Anchored") oder mit einer leichten Industrial-Schlagseite überraschen ("The Knife"). Das alles basierend auf einem Grundgerüst aus melodischem, melancholischem und leicht progressivem Death Metal inklusive einer guten Portion Doom und Dark Rock.
Ich hatte zwar erwartet und auch "befürchtet", dass "IV - One With The Storm" den übermächtigen Vorgänger wohl nicht wird erreichen können - und genau das ist auch eingetreten - aber speziell im Falle dieser Ausnahmeband ist das einmal mehr nur das bekannte Nörgeln auf hohem Niveau. (maz)

8/10