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HAMFERD - Evst

VÖ: 15. November 2013
Tutl | Cargo Records

Wenn es eine Doom (Death) Metal Scheibe schafft, mich morgens um halb fünf im Auto auf dem Weg zur Arbeit wach zu halten, bzw. sogar wach zu machen, muss sie etwas Besonderes sein. Und das ist nicht mal dem Exoten-Bonus geschuldet, denn Hamferd kommen von den Färöer Inseln. Nein, es ist rein die Musik, die packt. Schon mit dem eröffnenden Titelsong setzt sich das Sextett tief im Gehirn fest. Schwere Grooves gepaart mit ebensolchen Gitarren werden von kernig-tiefen Growls von Sänger Jón Aldará begleitet, bevor dieser in Verbindung mit einer weitgreifenden Melodie zu seiner ersten beeindruckenden Clean Einlage ausholt. Wer sich vorstellen kann, wie Messiah Marcolin (ex-Candlemass) mit mehr Gesangsunterricht Saviour Machine-Songs in färöischer Sprache intoniert, kommt der Sache etwas näher. Wie gebannt sitze ich eine dreiviertel Stunde vor meiner Anlage und lausche einer SloMo-Mixtur aus My Dying Bride oder (je nach Sichtweise) Funeral, ganz langsamen Candlemass und manchmal Swallow The Sun. Doch die Eigenart und Geschichte der Färöer macht sich unterschwellig so flächendeckend breit, dass solche Vergleiche nur als Hilfestellung dienen. Hamferd agieren sowohl mit großartiger Erhabenheit, als auch mit einer von Stolz gefüllten Fragilität und meistern diesen Drahtseilakt hervorragend. Ihre Kunst liegt darin, beide Doom Lager zu bedienen, was hauptsächlich der vielseitigen Stimme von Jón Aldará geschuldet ist. Von ganz besinnlichen Tönen ("At Jarða Tey Elskaðu") zu reinem Doom Death ("Sinnisloysi") ist innerhalb von sechs Songs alles dabei und erzeugt ein Gesamtkunstwerk, welches in Genre-Kreisen schon als heißer Anwärter auf die Top 5 Doom-Alben 2013 gehandelt wird. Das solltet ihr nicht verpassen. (sw)

8,5/10