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HANK VON HELL - Egomania

VÖ: 02. November 2018
Century Media

Menschen verändern sich. Hank von Hell (bürgerlicher Name: Hans Erik Dyvik Husby) war lange Zeit das Gesicht und die Stimme von Turbonegro, einer Band, die stilistisch kaum festzunageln war. Das Genre "Death Punk" haben sich zwar auch andere Bands auf die Flagge geschrieben, trotzdem klingen alle, die Death Punk machen, anders als Turbonegro. Hank von Hell war als Fronter laut, schmutzig, häufig stark alkoholisiert, immer provokant. Hank ist heute trocken, dank Scientology, wie er sagt. Hank tut auch andere Dinge, die man googeln kann. Hier wichtiger: "Egomania" ist sein erstes Solo-Release. Optisch und auch musikalisch versucht er damit an Turbonegro anzuknüpfen, allerdings an die Werke der Spätphase, die leicht Glam-lastig und weniger kantig klingen, als das unsterbliche "Apocalypse Dudes". Merkt ihr schon was? Das Problem ist: Ein ganz anderer Hank möchte die gleiche Sache tun, wie der Hank vor 11+ Jahren.
Das merken wir an der ersten Single. "Bum To Bum" übersteigert die Glam-Elemente von Turbonegro, mischt sie mit einem ordentlichen Ohrwurm-Proto-Punk-Riff und einem sehr, sehr fremdschämigen Video. Es übersteigert diese Elemente, weil Hank kein Gefühl dafür zu haben scheint, was "drüber" ist. Der Song ist zwar eingängig-groovig, keine Frage. Wäre der Rest des Albums ähnlich, könnte man zumindest handwerklich den sprichwörtlichen Hut ziehen. Denn Songwriting muss schließlich nicht immer technisch brillant oder revolutionär sein. Eingängig, leicht rockig mit positiven Vibes. Das ist "Bum To Bum". Es macht sich aber, übrigens auch im Video, eine "Abkopplung" des neuen vom alten Hank sichtbar - die er selbst aber nicht bemerkt zu haben scheint.
Leider ist der "Rest" des Albums irgendwie genau das und nicht mehr. Der Rest. Es gibt wirklich, bei aller Liebe zum alten Hank, sehr wenige Songs, die über die Durchschnittlichkeit hinausgehen. Da ist der Titeltrack und Opener "Egomania" mit seinen fürchterlich klischeehaften Background-Sängerinnen. Da ist "Pretty Descent Exposure" mit einem Hauptriff, das einfach nur abgenudelt klingt. Da ist "Blood", das zwar einen Hymnen-Charakter mitbringt, aber einfach zu 08/15 klingt. Wieso ist der Song so flach abgemischt? Sind das Blechbläser-Samples vom Keyboard? Warum? "Never Again" und "Dirty Money" folgen ähnlichen Pattern wie "Pretty Descent Exposure". Sie sind durchschnittlich, wobei "Never Again" recht geschickt einige von Hanks persönlichen Problemen thematisiert.
Und dann sind da Songs, die nicht durchschnittlich klingen. Etwa "Wild Boy Blues". Aber … was ist das? Wieso klingen einige Passagen nach Zirkus? Ja, "Wild Boy Blues" geht ziemlich schnell ins Ohr, aber ähnlich schnell ist der Song vergessen. Die Gitarrenarbeit ist durchaus hörenswert, dem Ganzen fehlt aber die Kante. Und auch der Rausschmeißer "Adios" ist enorm uninspiriert.
Natürlich ist Musik immer eine Sache der Stimmung, des Geschmacks und der Persönlichkeit. Gerade aber, weil Hank von Hell eben Hank von Hell ist, fühlt sich hier irgendwas falsch an. Auch Menschen wie Hank entwickeln sich. Aber "Egomania" klingt nach "Hank von Heaven" - und zwar nicht im positiven Sinne. Nachdem Turbonegro ohne Hank 2012 ein Album herausbrachten, schrieben die Kritiker: "zu wenig dreckig, zu wenig exzessiv, zu wenig hedonistisch - Hank fehlt!". Dazu kann man heute nur sagen: Um Himmels Willen, hört euch bloß nicht "Egomania" an. (jh)

5/10