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HIGHRIDER - Roll For Initiative

VÖ: 15. September 2017
The Sign Records

Highrider aus dem schönen Göteborg sind schwer zu packen: Nach vier Jahren Bandgeschichte erscheint nun die erste Veröffentlichung in voller Länge, irgendwo zwischen Thrash, Hardcore, Doom, Heavy Metal und … einer Orgel. Cover-Art, Logo und Bandfoto wirken eher klassisch-ernst, der Titel "Roll For Initiative" hingegen deutet es bereits an: die vier Jungs aus Schweden nehmen sich nur partiell ernst und fischen thematisch im Fantasy-Bereich. Sänger Andreas klingt ein wenig wie ein junger, aggressiver Gerre (der mit echtem Namen ja auch Andreas heißt). Der Soundmix, also die Arbeit, die der Mischer und das Equipment abliefern, geht grob in die Richtung von High On Fire, ist eher warm und basslastig, jedoch ohne den (namensgebenden) Matsch aus dem Sludgebereich.
Die Platte fängt mit einem brachial-thrashigen Riff an und hält über ihre gesamte Länge eine relativ hohe Geschwindigkeit, unterbrochen von Midtempo-Einspielern und kleinen Intros. Viele Songs haben diesen bestimmten "Drive", der am besten kommt, wenn der Hörer dabei einen Highway befährt oder andere Dinge tut, die mit schneller Lokomotion zu tun haben. Doch Highrider schrecken nicht vor Innovation zurück, denn, wenn auch eher sporadisch, wird eine Orgel eingebaut, die das Songgerüst um teils sehr interessante Melodieparts erweitert. Die eher doomigen Songs, vor allem "A Burial Scene" und der Rausschmeißer "A Rope And The Blade" sorgen für eine gewisse Abwechslung, die auch bitter nötig ist, denn: Während die EP "Armageddon Rock" aus dem Jahre 2016 noch extrem kurzweilig (also vor allem kurz) war, wird "Roll For Initiative" schnell ein wenig flach. Andreas Gesangsstil ist - gepaart mit den vielen sich im Haupttune ähnelnden Songs, nicht frisch genug und bringt zu wenig Farbe ins Spiel. Das ist sehr schade, denn Stücke wie "The Greater Monkey" und "Emotional Werewolf" zeigen eine hohe Kreativität und die Fähigkeit, zumindest partiell weit über den Rest des Albums hinauszuwachsen. Was bleibt? Ein sympathisches Album, das vor allem Thrashern und D-Beat-Punks gefallen dürfte, aber sonst ein wenig grau bleibt. Wird das Potential, das die Schweden hier andeuten, jedoch jemals ausgefüllt, könnte man beinahe von einem neuen Subgenre sprechen, einer Mini-Revolution irgendwo zwischen Melo-Thrash-Punk-Doom. Das ändert am momentanen Release nichts, lässt aber hoffen. Bis dahin sollte man diese Band zumindest auf dem Schirm behalten, zum Autofahren oder ungezwungenen Gerstensaftkonsum ist "Roll For Initiative" absolut zu empfehlen. Wer hingegen mit einem Rotwein ausgefeilter Klangkunst lauschen mag, wird hier nicht glücklich. (jh)

6,5/10