Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

JAPANISCHE KAMPFHÖRSPIELE The Golden Anthropocene

VÖ: 02. September 2016
Unundeux

Japanische Kampfhörspiele, kurz JaKa, sind zurück. Die deutsche Band mit dem wahrscheinlich seltsamsten Bandnamen (auf nicht fäkaler Ebene) und Flaggschiff des deutschsprachigen Grindcore meldet sich nach 18 Jahren Bandgeschichte mit "The Golden Anthropocene" zurück. Nach zwischenzeitlichen Turbulenzen rund um Bandauflösung und Mitgliederwechsel, ist das natürlich eine sehr erfrischende Nachricht. Aber was soll man noch groß Worte über eine Band verlieren, die am besten für sich selbst sprechen kann. Schließlich sind die Texte der Truppe mit reichlich Tiefe versehen und bieten über einem rohen und brachialen musikalischen Konstrukt viel Stoff, um nachdenklich zu werden oder um kritisch zu hinterfragen. Man geht dabei auf Kollisionskurs mit modernen Massenmedien (Facebook, Smartphones, etc.), Umweltpolitik, scheut auch keine Gesellschaftskritik und fasst auch ungeniert ein heißes Eisen, wie zum Beispiel Einwanderungspolitik bzw. genauer gesagt Islamkritik, an.
Das ist alles nicht sonderlich neu für JaKa und auch musikalisch geht die Reise in keine neue Richtung. Allerdings erwartet man doch genau das, von einer Band, die in 18 Jahren jedes Stück aus zwischen Tür und Angel aufgenommenem Rohmaterial zusammenschustert und deren aktuelles Album auf einer Müllhalde abgemischt wurde (so behauptet es zumindest der Promotext).
JaKa bleiben also JaKa und auch das neue Album klingt damit so, wie ein JaKa-Album klingen muss: rotzig, brachial, leicht chaotisch und gewürzt mit einer Prise leiser Töne und ein paar Samples aus Funk und Fernsehen. Die Tracks sind - genretypisch - zum größten Teil nicht viel länger als 30 Sekunden, dafür wird aber eine ganze Menge Text darin eingepackt. Ein paar wenige Ausreißer gibt es zu dieser Regel natürlich: "Tag 1 nach dem Menschen" ergießt sich zum Beispiel in einer sechseinhalb Minuten andauernden Orgie, gefüllt mit einem entsprechen langen Lyrikmonster und auch das Stück "Weiß", welches nach dem Intro als eigentlicher Opener das Album endgültig einläutet, überzeugt mit einer beachtlichen Länge. Beide genannten Stücke bekommen von mir wärmstens eine Anspielempfehlung! (cl)

7/10