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J.B.O. - Deutsche Vita

VÖ: 30. März 2018
AFM Records

Nächstes Jahr blödeln sich J.B.O. schon 30 Jahre durch die Metalszene, was eine reife Leistung ist, wie ich finde, denn mit ihrem "Fun Metal", wie Wikipedia ihn nennt, ist man mitlerweile schon zu einer Institution geworden. Zu dem neuen Album sagt die Band selber: "Wir haben mit einigen Songs gearbeitet, die uns auch persönlich sehr am Herzen liegen. Dabei stand dieses Mal ganz bewusst der jeweilige Song und seine Bedeutung für uns und die deutsche Musiklandschaft im Vordergrund.". Das hört sich im Vorfeld wesentlich ernsthafter an, als das, was die Blödelbarden sonst von sich geben und tatsächlich besteht das Album größtenteils aus Coverversionen der Neuen Deutschen Welle. Mal hat man die Texte gelassen wie sie sind, dann aber eben auch mal mit den typischen schrägen J.B.O. Texten versehen. Da wird aus Nina Hagens "Du hast den Farbfilm vergessen" zum Beispiel "Du hast dein Smartphone vergessen", oder "Carbonara" von Spliff erklingt als "Wo ist der Fahrer?". Das klingt im ersten Moment ganz gut, ist aber in Wirklichkeit mal mehr, mal weniger amüsant und will bei mir nicht zünden. Ich werde doch nicht meinen Humor verloren haben? "Nur Geträumt" kommt mit James Hetfield Vocals daher, was die Nummer nicht besser macht. "Das Lummerlandlied" und "Wicki" dürften immerhin auf dem nächsten Kindergeburtstag einen Circle Pit enstehen lassen - somit haben wenigstens die Kleinen ihren Spaß. Der "Karneval in Sodom" lässt aufkeimende Hoffnung sofort zerbrechen, dass es doch noch besser werden könnte, denn es geht sogar noch schlechter. Sodom meets Karneval, das ist tatsächlich für mich ähnlich lustig, wie der Karneval in Köln. Die Eigenkompositionen habe ich nach einmaligem Hören bereits wieder vergessen. Hat die Band nicht früher Songs wie "Verteidiger des Blödsinns", "Ich will Lärm" oder auch "Ein guter Tag zun Sterben" geschrieben? Die fallen mir nämlich spontan ein. Davon ist man aber weit entfernt. Natürlich kann man ein J.B.O. Machwerk nicht nur auf die Musik reduzieren, auch der Humor, Witz und Mut zur Selbstironie spielen eine Rolle. Leider funtioniert in diesem Fall kaum etwas davon. Die Coverversionen pendeln zwischen in Ordnung und belanglos. Das funktioniert live vielleicht, aber auf CD/Schallplatte tut es das nicht. Die Rosa Rote Fanfraktion wird das Album selbstverständlich trotzdem bedingungslos abfeiern und wer Beschallung für seine nächste Grillfete braucht, kann das mal antesten. Aber wer Musik hört, wegen der Musik, hat das Review sowieso übersprungen. (tf)

5/10