Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

J.B.O. - Head Bang Boing

VÖ: 21. September 2007
Megapress

Dass (deutschsprachiger) Rock/Metal nicht immer toternst sein muss, beweisen neben den Apokalyptischen Reitern natürlich auch J.B.O. aus Erlangen, die mit dem 98er Song "Verteidiger des Blödsinns" bereits sowas wie einen Kulthit geschaffen haben.
Nach 18 Jahren Bandgeschichte steht nun mit "Head Bang Boing" der nächste Reigen bunter Melodien in den Regalen. Und darauf zelebriert das Blödel-Quartett wie immer das, was es am besten kann: Einen recht eigenwilligen und derben Mix aus Eigenkompositionen, Cover-Versionen und kurzen Blödeleien zwischendurch (grandios: "Slipknottubbies").
In Sachen Cover-Versionen zieht die Band wieder einmal eine Schneise der Verwüstung quer durch die Popmusik. Da muss "Nur ein Wort" von Wir sind Helden ebenso dran glauben, wie Harpo's "Moviestar" oder auch Toto's "Rosanna" - was hier nun "Osama" heißt. Letztere sind zwar hart an der Geschmacksgrenze, aber Fans der Band werden auch diese Songs lieben.
Bei den Eigenkompositionen fällt neben dem Titelsong auch "Mehr Stoff" - eine Uptempo-Bikernummer mit Motorengeräuschen und kreischenden Gitarren - besonders positiv auf. Was man als beinharter Metaller davon halten soll, dass Slayer's "Raining Blood" mit der Disco-Pflaume "It's Raining Men" von den Weather Girl's gekreuzt wurde und es dann im Refrain "It's raining blood - hallelujah!" heißt, sei mal dahingestellt, aber ich find's durchaus komisch! Doublebass, fette Gitarren - das macht irgendwie Spaß.
Negativ fällt eigentlich nur auf - falls man das überhaupt so nennen kann - dass sich die Band vordergründig eher um die Scherze und dummen Sprüche kümmert, und die Musik mitunter leicht in den Hintergrund gerät. Wobei so manche Textzeile aber auch wirklich für ein paar Lacher gut ist, sei es bei "Metal Hartz IV", wo es heißt "geile arbeitslose Gitarristen aus Deiner Umgebung besorgen's Dir dreckig!". Beim "beinahe Medley" "Wir ham's geschafft", covern die "Metal-Schlümpfe" u.a. Sodom und singen dann "Ausgeschlumpft" - das ist zwar irgendwie nichts wirklich Neues, aber das macht ab 1,5 Promille sicherlich verdammt viel Spass!
Mit "Misanthropoly" serviert man dem geneigten Hörer gegen Ende eine wirklich gute Ballade, an der man merkt, dass die Band aus erstklassigen Musikern besteht, die sich keinesfalls hinter ihren Blödeleien verstecken müssen.
J.B.O. sind nach wie vor nicht jedermann's Sache. Mit "Head Bang Boing" wird die Band vermutlich weder Fans verlieren, noch welche hinzugewinnen. Man ist auf Nummer sicher gegangen und vielleicht erfüllt sich ja irgendwann doch noch der bandinterne Wunsch, dass die Metal-Schlümpfe mal J.B.O. covern! Warten wir's ab. (maz)

7,5/10