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JOHN GARCIA - The Coyote Who Spoke In Tongues

VÖ: 27. Januar 2017
Napalm Records

Das zweite Soloalbum des wohl bekanntesten Stoner-Rockers neben Josh Homme verspricht vor allem eins: Lagerfeueratmosphäre. Das gesamte Album ist nur John und (s)eine akustische Gitarre. Dabei liefert er uns neben einigen neuen Songs auch drei der bekanntesten Kyuss-Hymnen: Die von Brant Björk komponierten "Green Machine" und "Gardenia", sowie "Space Cadet" von Josh Homme und Scott Reeder. Beeindruckend und gewohnt auf hohem Niveau ist die Umsetzung der Cover. Hier wird nicht einfach nachgeleiert, sondern die Songs sind nun entschleunigt und in epische, beinahe Soundtrack-ähnliche Werke verwandelt. Ganz deutlich merkt man Garcia die immer noch bestehende Liebe zu dem Liedgut der 1992/1993er Kyuss an. Die CD enthält auch das verhältnismäßig weniger bekannte "El Rodeo", welches aber unplugged doch deutlich an Reiz verliert und fast ein wenig monoton daherkommt.
Auch die neuen Songs klingen allesamt durchweg nach dem "alten" John, ohne irgendwie angestaubt zu wirken. Der Opener "Kylie" klingt fast wie ein Akustikstück von Jack White, gemischt mit der klassischen Wüsten-Romantik der Stoner-Szene. Ein Höhepunkt der Platte könnte "Give Me 250ML" sein, welches trotz unplugged-Feeling eine simple aber extrem starke Bassline auffährt, die ansonsten manchmal fehlt. Denn ganz ohne eine saftige Bassline verliert sich Garcia für Stoner-Rocker mit Sicherheit ein wenig zu tief in der Idylle des Lagerfeuers. So fehlt gerade den Rausschmeißern "Argleben II" und "Court Order" der letzte Schliff, um auf Repeat zu landen.
Insgesamt ist die Platte für Kyuss- und Garcia-Fans, also auch für Fans von Slo Burn, Unida, Hermano und Vista Chino ein Muss, denn der Garcia-Stempel ist nicht zu überhören. Die Stimme des Stoner-Veteranen ist ohne technisches Geschiebe und effektreiche Manipulationen simpel, kraftvoll und fühlt sich für viele Fans sicher ein bisschen "wie zu Hause" an. Man sollte sich hier jedoch nicht täuschen lassen: Von einigen Kyuss-Songs gibt es bereits unplugged-Versionen, nämlich aufgenommen in den legendären Gibson-Studios. Selbst verglichen mit diesen sind die Cover auf "The Coyote Who Spoke In Tongues" nochmal ein großes Stück ruhiger, "nackter" und entschleunigter. Dennoch ist es ein Werk, das sich nicht verstecken braucht und Anlässe für Besinnlichkeit gibt es genug. Respekt für diesen musikalischen Striptease! (jh)

7/10