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KAMELOT - Silverthorn

VÖ: 26. Oktober 2012
Steamhammer

Ich muss zugegeben, dass auch ich zu den Skeptikern gehörte, die nach dem Weggang von Ausnahmesänger Roy Khan zwar nicht das Ende von Kamelot gesehen, aber zumindest das Interesse etwas verloren haben. Eine personelle Lücke, die man scheinbar nicht schließen kann, reißt normalerweise jede Band in eine kleine Krise und treibt sie zwangsläufig irgendwann in die Belanglosigkeit. Doch Kamelot haben das Unmögliche geschafft und mit dem schwedischen Sänger Tommy Karevik (Seventh Wonder) einen absolut überzeugenden und nahezu gleichwertigen Nachfolger gefunden zu haben.
Für das zehnte Studioalbum "Silverthorn" haben sich nun beide Seiten mächtig ins Zeug gelegt: Karevik singt nahezu perfekt und auf höchstem Niveau und lässt so keinerlei Kritik zu - auch nicht im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger. Und das Songwriting orientiert sich nicht am etwas experimentell geratenen Vorgänger "Poetry For The Poisoned" (2010), sondern man besinnt sich wieder zurück in Richtung "Black Halo" (2005), dem vermutlich besten Kamelot-Album. Man ist wieder melodischer und symphonischer geworden und hat sich in Sachen Produktion Sascha Paeth anvertraut, der schon bei Avantasia, Edguy oder Rhapsody für den passenden klaren und druckvollen Sound sorgte.
Nach dem Intro wird schnell klar, dass das darauf folgende "Sacrimony (Angel Of Afterlife)" wohl mit zu den besten Kamelot-Songs zählen dürfte. Eine höchst hitverdächtige Nummer, die äußerst geschickt zwischen ruhigen Strophen und klasse Uptempo-Refrains pendelt. Und dieser starke Beginn zieht sich auch direkt im Anschluss durch das leicht progressive "Ashes To Ashes" und das flotte "Torn" - ein Bilderbuch-Auftakt. Im weiteren Verlauf des Konzeptalbums findet sich genügend Platz für hymnische Refrains, einer enormen Vielschichtigkeit und großartigen Musikalität. Neben der äußerst gefühlvollen Ballade "Song For Jolee" zieht vor allem das über 9-minütige und in drei Parts aufgeteilte "Prodigal Son" nochmals alles Register des Könnens dieser Ausnahmeband.
Textlich erzählen die Songs von Verzweiflung, Schuldgefühlen und Wahrheitsfindung - bei Letzterem kann ich gerne behilflich sein. Die Wahrheit ist nämlich, dass "Silverthorn" absolutes Pflichtprogramm für jeden ist, der auf intelligenten Melodic Metal mit leicht düster-atmosphärischer Progressivität steht. Außerdem ist Tommy Karevik ein begnadeter Sänger und so schlägt man mit "Silverthorn" ein neues Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Band auf und liefert im Zuge einer möglichen kleinen Krise mal eben eins der besten Alben der Bandgeschichte ab. (maz)

8/10