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KAYLETH - Colossus

VÖ: 12. Januar 2018
Argonauta Records

Immer wenn Stoner/Psychedelic Rock nicht aus Deutschland, den USA, Australien oder Skandinavien kommt, sollte man aufhorchen. Die Szene anderswo ist fast immer kleiner und die Bands haben es schwerer, eine gewisse Fanbase so weit aufzubauen, dass internationale Beachtung geschenkt wird. Kayleth aus Italien sind längst auf den Stoner-Events in Deutschland angekommen und haben damit den Schritt auf die große Bühne gemacht. Nicht zuletzt Shows mit der Szenegröße Stoned Jesus verdankt die Band ihre wachsende Popularität. Die Produktivität der Band beschränkt sich bis jetzt vor allem auf EPs: "Not Yet" (2006), "In The Womb Of Time" (2008), "Rusty Gold" (2010) und "The Survivor" (2012). Diese Reihe soll "Colossus" nun brechen. Mit einer Stunde Spielzeit gibt es hier ordentlich Material, verteilt auf zwölf Songs. Vorab: Ja, Kayleth sind eine dieser Bands, die sich selbst karikieren, die auf witzige (alberne?) Texte setzen und die das SciFi-Genre ein bisschen mehr parodieren, als das der eine oder andere vielleicht aushält. Im Bereich rund um Buzzwords wie Stoner, Space Rock, Desert Rock, Psychedelic Rock etc., ist man das aber inzwischen mehr oder weniger gewohnt. Textlich erinnert das ganze Album daher ein wenig an Spaßvögel wie Duel, Clutch und Transport League.
Instrumental überraschen die Italiener mit einer enormen Bandbreite verschiedenster Einflüsse. Die Anleihen bei Legenden wie Kyuss sind beinahe zu erwarten, die Melodiespitzen erinnern vor allem in der ersten Hälfte der Scheibe auch ein wenig an Truckfighters. Ob gewollt oder nicht: Kayleth erschaffen einen astreinen Spannungsbogen, der genau beim namensgebenden "Colossus" vom eher steinigen Desert Rock "umkippt" in eine deutlich härtere Richtung auf der zweiten Hälfte der Platte. Konnten vorher noch Klänge und Figuren erahnt werden, die eher in die Richtung von Hawkwind oder Nebula gingen, kommen im zweiten Teil mehr Assoziationen mit Red Fang oder gar Electric Wizard auf. Das Riffing wird niemals sludgig-schleppend oder ansatzweise düster, aber doch sehr "dreckig" und schwer. Die letzten beiden Songs, "The Escape" und "Oracle" bieten dazu dann noch einmal einen abschließenden Kontrast, klingen fast wie einige der ruhigeren Seether-Hymnen. Hilfreich ist auch, dass die gesamte Produktion kaum Weichwaschung zugelassen hat, die Songs klingen sperrig genug, um sympathisch zu bleiben und sauber genug, um nicht abzuschrecken.
Das Album hat sicherlich Abschnitte, die ein wenig die Spannung herausnehmen, die etwas langatmig wirken, etwa bei "Forgive". Andererseits haben wir hier Möglichkeiten, uns ein wenig von der ansonsten sehr dynamischen Wall Of Sound zu erholen. Denn Kayleth schaffen es, mit viel Fuzz und durchaus kreativen, gut geschriebenen Riffs, ein Feuerwerk zu zünden. Andere Bands könnten sich von der Spielfreude gerne eine Scheibe abschneiden, vor allem wenn es um den hörbaren, aber dezenten und in kleinen, aber sinnvollen Dosen eingesetzten Synth-Sounds geht. Songs wie "Pitchy Mantra", der auch wieder einen Truckfighters-Touch trägt, werden somit noch ein Stück interessanter zu Hören. Für Fans der hier genannten Bands ist "Colossus" ein klarer Kauf. Wer bitterbösen Doom oder satanischen Sludge sucht, ist hier falsch. Wer hingegen ein kühles Bierchen mit den Besten zischen oder Musik für eine Grillparty sucht, ist hier richtig. (jh)

8/10