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KEEP OF KALESSIN - Reptilian

VÖ: 14. Mai 2010
Nuclear Blast

Irgendwie kann ich mich einer gewissen Faszination für Keep Of Kalessin aus Trondheim/Norwegen spätestens seit ihrem letzten Album "Kolossus" (2008) nicht mehr entziehen. In Zeiten, in denen Dimmu Borgir pausieren, sind die Düsterheimer um Fronter Thebon mittlerweile viel mehr als nur ein Lückenfüller, zumal sich ihr Sound mitunter auch manchmal etwas schwerer einordnen lässt. Vom Grundtenor her sind Parallelen zu Dimmu Borgir (und neueren Satyricon) zweifelsfrei zulässig. Doch während Shagrath & Co. in letzter Zeit in Sachen Keyboard oft etwas arg übertrieben haben, erschaffen Keep Of Kalessin dieses episch-bombastische Grundgerüst mit viel weniger Technik, aber zumeist sogar noch effektiver. Während das eröffnende "Dragon Iconography" noch mit klassischen Black Metal-Blastbeats rücksichtslos auf einen nieder prasselt, und das nachfolgende "The Awakening" mit riffstarken Instrumentalpassagen und erhabenen Chören punkten kann, kommt spätestens mit "The Dragontower" der lachende Faustschlag mitten ins Gesicht des klassischen Schwarzmetallers: Der Song ist so weit vom Black Metal entfernt, wie ich von schwarz-weißer Schminke. Mit diesem Titel nahm das Quartett am norwegischen Vorentscheid zum Eurovision Songcontest teil (!), und erreichte immerhin Platz 3. Eine extrem eingängige Düsterrock-Nummer, an der sich zweifelsfrei die Geister scheiden werden. Doch danach gibt man wieder ordentlich Gas. Das folgende Dreierpaket, bestehend aus dem brachialen "Leaving The Mortal Flesh", dem schleppenden "Dark As Moonless Night" und dem einmal mehr epischen "The Divine Land", pflügt sich erhaben und bösartig durch die Friedhofsbotanik. Beim abschliessenden 14-minütigen "Reptilian Majesty" wird dann nochmals das gesamte Register des Könnens dieser Truppe gezogen. Von ruhig und melancholisch, bis hin zu höchst aggressiven Blastbeat-Gewittern, und einer nicht selten progressiven Instrumentierung, die das 5. Album von Keep Of Kalessin zweifelsfrei zu einem wahrlich mächtigen und bombastischen Black-/Dark-Metal-Highlight machen, das von Daniel Bergstrand (In Flames, Meshuggah, Behemoth) perfekt in Szene gesetzt wurde. (maz)

8,5/10