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KING DUDE - Music To Make War To

VÖ: 24. August 2018
Ván Records

Was Thomas Jefferson Cowgill unter seinem Pseudonym "King Dude" in den letzten Jahren geschafft hat, darf schon ein wenig erstaunen. Nachdem 2011 "Love" erschien, war vor allem "Lucifer's The Light Of The World" in jeder verqualmten Intoxikations-Runde zu hören, in Runden, die vorher noch nie von "Neo Folk" gehört hatten. Darauf aufzubauen war schwer: Zwar drohte King Dude niemals das One-Hit-Wonder, aber die Entwicklung zu ausgefeilteren Stücken war riskant und mutig. Und da markiert "Music To Make War To" einen Höhepunkt. Das ganze Album ist enorm vielseitig und divers, verlangt vom Hörer viel Aufmerksamkeit und Gefühl für Zwischentöne. "Music To Make War To" ist das positive Gegenteil von Easy Listening, es muss aktiv gehört und zugehört werden.
Der Titeltrack "Time To Go To War" ist dabei noch eine vergleichsweise leichte Vorsuppe. Das folgende "Velvet Rope" ist auch leicht bekömmlich, wenngleich deutlich düsterer als der Opener. Wichtiger ist: "Velvet Rope" nordet den Kompass. Überhaupt sickert diese melancholisch-bittersüße Note durch die meisten Songs auf dem Album. Es ist ein poetischer Realismus, irgendwo zwischen einem Pulp-Magazin und amerikanischer Folklore. Wäre "Music To Make War To" ein Film, könnte es Marcel Carnés "Hafen im Nebel" sein.
Man stelle sich eine Kamerafahrt durch das frühmorgendliche Manhatten der 1950er Jahre vor, an einem Herbstsonntag. Wir begleiten einen Gentleman, gut gekleidet, der gerade aus einem Club geworfen wurde. Whiskyfahne, ein blaues Auge, die leeren Straßen von New York, ein einsamer Weg nach Hause, aber: Es ist selbst gewählt, es ist sein Weg. So wird es sein, denn anders will er es nicht. So ähnlich könntest du dir "Music To Make War To" vorstellen. Es ist nachdenklich, aber nicht pseudo-philosophisch. Es ist melancholisch, aber nicht depressiv. Es ist unser King Dude mit einer Platte, die mehr Nuancen hat, als alle vorherigen. Das kann anstrengend für viele sein, denn es erfordert ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit, das wir nicht mehr unbedingt gewohnt sind.
Nummern wie "Good And Bad" geben dem Album, was den ersten King Dude-Releases gefehlt hat: Instrumentelle Sahnehäubchen. So mutiert der Dude mit seiner sympathischen Cash-like-Stimme (er ist diesen Vergleich sicher satt) vom Barden zu etwas Höherem.
Ich weiß nicht, ob die gleichen Leute, die "Love" so gefeiert haben, auch "Music To Make War To" feiern werden. Ich weiß nicht, ob "Music To Make War To" überhaupt zum Feiern ist, oder ob diese Beschreibung "...zum Feiern" der Platte Unrecht tut. Ich glaube aber, King Dude hat hier seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. "Music To Make War To" ist ein Musik-Essay in Low-Key-Beleuchtung. Respekt davor. (sw)

9,5/10