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KWADE DROES - De Duivel En Zijn Gore Oude ...

... Krankermoer

VÖ: 20. Juli 2018
Ván Records

Wir können über Ván Records denken, was wir wollen, politisch, menschlich. Was wir zugestehen sollten: Immer, wenn etwas von Ván Records kommt, ist es besonders und hat diesen speziellen Touch des Einzigartigen. Es ist nicht immer gut oder auf den ersten Blick eine sinnvolle Einzigartigkeit. Aber kaum ist zu verleugnen, dass eine Augenbraue in Respekt vor der Kreativität verzogen wird.
Kwade Droes veröffentlichen mit "De Duivel En Zijn Gore Oude Kankermoer" ihr erstes Full-Lengh-Album, nur ein Jahr nach der "Kwade Droes"-7"-EP. Wie so einige Künstler von Ván Records, kommen die Schwarzmetaller aus den Niederlanden, genauer: Aus Gelderland. Wie es sich momentan für hippe BM-Bands gehört, erscheint das Ding sowohl als Digipack, als auch als Vinyl. Alle Kopien sind handummeriert und kommen mit einem ausfaltbaren, aufwendigen Booklet - das mag Kalkül sein, ist aber in der Zeit der Streaming-Angebote auch sympathisch. Noch wichtiger aber: Die Musik auf dem Tonträger!
Mit "De Teerling Is Geworpen", also "Der Würfel wurde geworfen/ist gefallen", starten Kwade Droes mit einem Black Metal-Riff, das erst einmal nicht viel Fantasie vermuten lässt. Die Magie entfaltet sich aber im Kleinen: Die Vocals sind so kompromisslos erzählerisch, passen in ihrer Kakophonie so gut auf den Track, dass es eine wahre Freude ist. "Lood Om Oud Ijzer" ("Führe sie zu/mit altem Eisen") ist der geschickte Kontrast dazu. Der Track beginnt nur mit Ambient-Sounds, einer sporadisch hämmernden Drum und einigen Krächzern, um dann wieder in ein BM-Riff zu "fallen".
Das Schöne an dieser Platte, und das bestätigt sich auch bei "Drankduivel" ("Trinkteufel") und weiteren Songs, ist, dass es eine Platte für BM-Puristen ist, ganz ohne dumpf und monoton zu klingen. Im Gegenteil. Kwade Droes schaffen ein Songwriting, das echten, 2nd-Wave-ähnlichen Black Metal ausspuckt und dabei trotzdem frisch klingt. Das Intro etwa von "Drankduivel": Die Klänge einer Spieluhr und die vollkommen sterilen Tomfills am Anfang klingen (überraschenderweise) nicht lächerlich. Danach "kippt" der Track wieder in BM-Riffs und etwas fenriz-ähnliche, kehlige Shouts.
Der Höhepunkt wird mit dem ultrabrutalen "Misdaad Loont" ("Scheiße bauen lohnt sich") erreicht. Die Vocals sind auf der ganzen Platte durchgehend unterschiedlich und reichen vom tiefsten Grunzen, bis zum höchsten, kratzigen, kehligen Gewimmer - ganz gelegentlich mit Doom-Einflüssen, aber wirklich sehr, sehr dezent.
Das ganze Album ist für Fans einer großartigen Horror-Atmosphäre gedacht. Ja, es ist Black Metal, es geht gerade nach vorne und kümmert sich nicht darum, für die Hörorgane ästhetisch zu sein. Aber das ist das Konzept und es geht voll auf. Es ist ein makaberer, ekelhaft düster vertonter Albtraum - einer der besten des Jahres 2018. (jh)

8/10