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LANCER - Second Storm

VÖ: 10. April 2015
Despotz Records

Mit "Second Storm" liefern Lancer, wie der Name schon sagt, einen zweiten und gewaltigen Sturm ab. Der Nachfolger ihres Debüts "Lancer" verpackt klassischen Power Metal à la Hammerfall in ein frisches und modernes Gewand.
Dabei erfüllen sie, unter anderem mit dem genre-typischen melodischen Gesang, jedes nur denkbare Klischee, aber der Zuhörer schämt sich dabei nicht fremd - die Musik bleibt glaubhaft. Das liegt vermutlich daran, dass Themen wie Drachen und Mythen völlig ausgeklammert werden, ansonsten orientiert sich Sänger Isak Stenvall stark an Genregrößen wie Joacim Cans.
Musikalisch fährt "Second Storm" eine härtere Schiene als das Vorgängeralbum und ist deutlich moderner und technischer als der Großteil aller True Metal-Bands. Die Gitarren sind riff-lastiger und verzichten weitestgehend auf die klassischen stehenden Akkorde. Dadurch wird die Musik schneller, treibender und aufregender, was von den unglaublich präsenten und schnellen Drums untermalt wird. Nicht nur die Drums stechen im Mix hervor, auch der Bass ist stellenweise gut zu hören und wird dabei nicht nur als Tiefton-Untermalung genutzt, sondern auch Griffgeräusche und Picking sind zu hören, was genreuntypisch ist.
Trotz dieser modernen Elemente sollte man allerdings keinen New Wave-Metal im Stile von Enforcer oder anderen modernen Bands erwarten. Insgesamt sind Lancer eher die typische 90er oder 2000er Jahre Power Metaller, die Gott sei Dank etwas aufgepeppt wurden und weniger Ritter-Attitüde verkörpern, dafür ein dickes Lob.
Im Einzelnen betrachtet sind dabei die Songs "Masters And Crowns" und "Iwo Jima" hervorzuheben. Beides unglaublich eingängige Songs mit vielen Facetten. Ersterer bietet, nach einem harmonischen Gitarren-Intro, eine ruhige Strophe, ehe eine epische Bridge in den genialen Refrain überleitet. Das mag für manche Geschmäcker etwas zu true sein, doch der Song ist einfach grandios geschrieben. "Iwo Jima" dürfte einigen nach reichlich Features seitens des Metal Hammers bereits ein Begriff sein: Die erste Single-Auskopplung (samt Video) spiegelt, wie zu erwarten, die poppige Seite von Lancer wieder, ist aber keinesfalls kommerziell oder überspitzt.
Die übrigen Songs des Album sind weitaus riff-lastiger und teilweise härter, stechen allerdings nicht so heraus. Eine waschechte Metal-Ballade sucht man auf "Second Storm" vergeblich, die meisten Songs legen ein hohes Tempo an den Tag, lediglich das neunminütige Epos "Aton" hat gegen Ende einen ausgedehnten ruhigen Part. Dieser wirkt dabei, dank eines ausgedehnten Gitarren-Solos, fast progressiv und bietet eine gelungene Abwechslung zum sonst eher gradlinigen Songwriting. Da auch die Produktion und der Mix dank namhafter Unterstützung tadellos sind, findet sich hier vielleicht der einzige Kritikpunkt - trotz vieler belebender Elemente in den Songs, könnte man viele Lieder auch genauso bei anderen Bands finden - es mangelt ein wenig an Originalität. Da Lancer jedoch noch am Beginn ihrer Karriere stehen, haben sie voraussichtlich noch einiges an Zeit, diese zu finden. (xz)

7/10