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LANFEAR - The Code Inherited

VÖ: 01. Juli 2016
Pure Legend Records

Vier Jahre sind seit dem letzten Longplayer "The Harmonic Consonance" vergangen, 20 Jahre seit dem Debüt. Kommerziell gesehen, passierte bei Lanfear wenig bis quasi gar nichts, was mir angesichts der Qualität des neuen Albums völlig schleierhaft ist. Aber so muss das wohl sein, wenn eine Band "nur" auf musikalische Top-Qualität setzt und ansonsten keinen Gimmick, kein Image, kein plakativen Kitsch oder sonst was zu bieten hat. Mastermind Markus Ullrich (Them, A Cosmic Trail, Septagon) macht mit seiner Truppe einfach "nur" geile Musik. Ganz nebenbei spendet "The Code Inherited" gelegentlich sogar Trost für die, die sich gerne mal wieder/noch mal (je nach Sichtweise) etwas von Nevermore oder Communic wünschen. Eine Reduktion auf diese Bands wäre aber fatal, gehören Lanfear mit ihren weitgreifenden Einflüssen zum erlesenen (und völlig klischeefreien) Kreis der sogenannten Progressive/Power Metal-Bewegung, in der fast alles erlaubt ist, Hauptsache, es ist wohl durchdacht, technisch sowohl filigran als auch kraftvoll, up to date in Sachen Umsetzung und Produktion und mit einem gewissen zeitlosen Charakter behaftet. Und all das ist und kann "The Code Inherited". Angefangen beim leicht angethrashten Opener "The Delusionist" und direkt gefolgt vom Überflieger "The Opaque Hourglass" (das ist ein Refrain!) breitet sich ein dicht gewobener Teppich aus Melodie und Härte aus, auf dem sich Sänger Nuno Miguel de Barros Fernandes mit seiner warmen und abwechslungsreichen Stimme einfühlsam und bestimmend austoben kann. Im teils recht rabiaten "Converging Siants" gibt es sogar ein paar coole Anacrusis-mäßige Screams. Wenn ihr den beiden genannten Songs gleich beim ersten Durchlauf verfallt (ja, ich sehe das als Tatsache an), dann wird euch auch das restliche Material schwer begeistern, allen voran natürlich der zehnminütige Titelsong mit seinen verschiedenen Schichten und einem abermals erstklassigen Refrain. Der Rausschmeißer hingegen ist was für fröhlich Wehmütige - "Summer Of '89" ist mitnichten eine Bryan Adams-Adaption, sondern die bandeigene Flashback-Version in eine Zeit, die man nie selbst erlebt (hat). Viel Spaß beim Grübeln.
Das zweiseitige Fazit ist leicht: Mit "The Code Inherited" werden Lanfear nicht den großen Wurf landen. Das Album selbst ist aber schon ein großer Wurf an sich. Bin mal gespannt, wie viele davon Wind bekommen! (sw)

8,5/10