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LORDI - Sexorcism

VÖ: 25. Mai 2018
AFM Records

Ah ja, Lordi! Diese Band, bei der man immer die selbe Reaktion erhält, wenn man sie mal unter Metalheads anspricht: "Waren das nicht die vom ESC?". Ja, in der Tat. Lordi sind diese Hardrocker, die vor vielen Jahren mit Monster-Kostümen und (im Nachhinein betrachtet) einem ihrer schwächsten Songs den Eurovision Song Contest für Finnland gewonnen haben. Und es tut mir jedes Mal in meiner schwermetall-geschwängerten Seele weh, wenn sie nur darauf reduziert werden. Denn auch wenn sie meiner Meinung nach bis heute nur ein wirklich durchgehend grandioses Album herausgebracht haben ("The Monsterican Dream", 2004), so hatten doch auch alle folgenden Alben mindestens ein oder zwei musikalische Höhepunkte, die ich bis heute gerne mal auflege, wenn mir der Sinn nach 80er-inspiriertem Horror-Hardrock steht.
Wie der Titel "Sexorcism" schon vermuten lässt, haut auch das neue Album in diese Kerbe. Lordis Musik war ja schon immer von einer Portion schwarzem Humor und Augenzwinkerei durchzogen. Durch die Beischlaf-und-Exorzismus-Thematik kommt hier allerdings noch eine ganze Ladung an Albernheit unterhalb der Gürtellinie dazu, die sich vor allem in mal kreativen und mal absurden Wortschöpfungen niederschlägt. Neben dem titelgebendem "Sexorzismus", wird dann noch einer jungen Dame der "Polterchrist" ausgetrieben, ein "Biest" besungen, dass bald "kommen" wird ("The Beast Is Yet To Cum") und die neueste Mode der "Slashion Model Girls" angepriesen. Dabei schaffen es Lordi aber, Satan sei Dank, den Spaßfaktor hoch und den Fremdschämfaktor niedrig zu halten, lediglich "Hell Has Room" kratzt bei mir hart an der Schmerzgrenze.
Wie von den Finnen gewohnt, sind sämtliche Songs super eingängig, hauen ordentlich rein, bieten erstklassige Gitarrenriffs und bleiben dem Hörer noch eine ganze Weile im Ohr. Allerdings klingen sie häufig recht generisch, vor allem, wenn man sie mit Lordis restlicher Diskografie vergleicht, in welche sie sich nahtlos einreihen. Das macht sie zwar besser, als die meisten Hardrock-Tracks, die ich kenne, aber es klingt halt viel nach "schonmal gehört". Ein wenig Experimentierfreude wagen sie aber dann doch, wenn Mr. Lordi bei "Naked In My Cellar" und "The Beast Is Yet To Cum" seine Gesangsmuskeln spielen lässt und seine Stimme in einem Umfang präsentiert, den ich so bisher noch nicht von ihm kannte.
Insgesamt bietet "Sexorcism" das, was man von Lordi gewohnt ist. Astreinen Hardrock und Metal, mit ein paar Höhepunkten ("Romeo Ate Juliet", "The Beast Is Yet To Cum", "Rimskin Assassin") und ein paar Songs zum skippen ("Sexorcism", "Hot Satanned"), aber immer mit hohem Unterhaltungswert. (hlq)

7/10