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LUCIFER - Lucifer II

VÖ: 06. Juli 2018
Century Media

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Occult Rock und Doom Rock, und wieso sind diese Schubladen gleichzeitig so doof und dann irgendwie auch notwendig? Weil wir uns instinktiv Orientierung in komplexen Sachverhalten wünschen. Andererseits wissen wir, wie konstruiert und unzuverlässig diese Genres sind.
Lucifer zu klassifizieren ist schwer. Occult Rock trifft es, Lucifer haben eine Ghost-Atmosphäre, vielleicht mit etwas weniger Jahrmarkt-Stimmung dabei. Der Sound ist vergleichbar mit The Oath und das ist kein Zufall: Lucifer sind eine sogenannte Supergroup. Sie bestehen aus Robin Tidebrink von Saturn, Johanna Sadonis, ehemals von The Oath, Nicke Andersson von Entombed und The Hellacopters und Martin Nordin von den 2016 durchgebrochenen Dead Lord. Verstärkt werden sie von Alexander Mayr am Bass.
Mit "Lucifer II" erscheint das zweite Album der Bande und stellt auf dem Artwork die drei wichtigen Gesichter in den Vordergrund, vor allem Johanna Sadonis. Und sicher ist sie mit ihrer sehr glatten, klaren Stimme eine der Stimmungstreiber von Lucifer. Dabei muss sich jeder potentielle Hörer im Klaren sein, dass es hier relativ easy listening zugeht. Während die Scheibe mit "California Sun", "Dreamer" und "Phoenix" noch sehr rockig beginnt, ist vor allem "Dancing with Mr. D." sehr poppig. Das muss nicht immer etwas Schlechtes sein, vor allem im Occult Rock gibt es ein gewisses Potential, verführerisch leicht zu klingen, man nehme nur The Devils Blood oder eben The Oath. "California Sun" ist vielleicht ein Kind von Robin Tidebrink, hier ist die Magie von Saturn am ehesten zu spüren. Treibende Proto-Metal-Riffs und eine gewisse Tendenz innerhalb einer Lage "hoch und runter" zu spielen.
Dennoch machen Lucifer, in Kontrast zu ihrem Namen, keine Anstalten, eine im direkten Sinne okkulte oder düstere Atmosphäre zu verbreiten. Zumindest nicht durchgehend. "Eyes In The Sky" hat zwar einen gewissen "Electric-Funeral-Touch", das war es dann aber auch schon. Das ist aber auch nicht schlimm, denn die Band eifert weder den großen Vorbildern in den Genres nach, noch versucht sie krampfhaft, das Rad so neu zu erfinden, dass sie damit scheitert. Lucifer sind einfach Lucifer. Sie bewegen sich weniger als im Debüt-Album im Doom, mehr in einer Mischung als klassischem Rock, Blues und 70er-Hard Rock. Nur wenn man gut zuhört, ist der Doom aus dem Debüt beim genialen Rausschmeißer "Faux Pharaoh" noch da.
Die Jungs um Johanna Sadonis wissen, wie Songs im Kopf hängen bleiben. "Lucifer II" ist gut, sticht aber zwischen den sehr starken Genrekollegen "nur" durch Johannas sehr gute Stimme hervor. Wenn man riffigen, leicht melancholischen 70er-Bluesrock 2018 macht, muss er sehr gut sein. Bei aller Prominenz fehlt der letzte Biss. Fans von The Oath, Blue Öyster Cult, Jex Thoth, Blood Ceremony, Luciferian Light Orchestra oder auch Cathedral sollten trotzdem unbedingt reinhören. (jh)

7/10