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MIDNIGHT FORCE - Dunsinane

VÖ: 10. August 2018
Iron Shield Records

"Bands haben gegenüber ihren Fans eine Verpflichtung, seltene Juwelen statt totgespielter Gassenhauer zu spielen.". Für dieses aus 2017 stammende Zitat liebte ich Midnight Force bereits, bevor ich überhaupt einen Ton ihres Könnens vernahm und hoffte inständig, dass mir das Ergebnis auch gefallen würde. Nun, mit ihrem Longplay-Debüt werden die Schotten (um den aus Oberhausen stammenden Gitarristen Ansgar Burke) bei NWOBHM-Fans offene Türen einrennen, platzieren sie sich härtetechnisch richtig clever zwischen Dark Forest oder Seven Sisters auf der einen und Wytch Hazel auf der anderen Seite. Speziell die Produktion hat mehr von einer Siebziger-Hard Rock Kapelle (was ich ausdrücklich nicht negativ meine!), die Band dahinter schaut aber fokussiert in Richtung Frühachtziger Metal, hat mächtig Spaß an Uptempo und verarbeitet Epik- und Folk-Einflüsse eben auf ernsthafte Weise, anstatt mit Tralala-Kitsch zu nerven. So werden aus "Warlord Eternal" und insbesondere "The Scarlet Citadel" richtige Grower, deren Widerhaken-Refrains nach ein paar Durchläufen nicht mehr aus dem Kleinhirn wollen. Den Rest erledigen zackige Headbanger wie der Burgtore öffnende Opener "Killer", das unkonventionelle (und gerade deswegen richtig gute) "Alesia Falls" oder "Witchfinder", welches dem Titel entsprechend natürlich von Doom-Passagen eingerahmt wird. Qualitativ darf man anmerken, dass die Kurve jetzt schon nach oben zeigt, denn das von der 2016er EP mitgenommene "Crystal Talon" ist im Vergleich "nur gut". Gewöhnen musste ich mich kurzzeitig nur an den hardrockigen, leicht vernebelt wirkenden Titelsong, aber der klassische Maiden-Ausbruch und die Tatsache, dass eben keine The Devil's Blood-artige Frauenstimme zu hören ist, schieben die Bedenken wieder beiseite. Gerade deswegen muss der Gesang von John Dunn stellvertretend für die Gesamtleistung der Band genannt werden. Kauzig - ja, eigenwillig - auch. Und hörbar mit dem unbändigen Willen (und den richtigen Basis-Fähigkeiten) diese so herrlich unbedarft agierende Band in Zukunft noch ein paar Stufen nach oben zu tragen.
Fazit: Als LP-Debüt echt beeindruckend! (sw)

8,5/10