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NACHTGESCHREI - Staub und Schatten

VÖ: 07. August 2015
Oblivion

Seit nunmehr neun Jahren bereichern die Folk-Metaller von Nachtgeschrei die deutsche Mittelalter-Rock-Szene mit ihren Klängen. Dabei schafften sie es (trotz einiger Mitgliederwechsel) durchweg, ihre Spur zu halten, sich treu zu bleiben und erstklassigen Folk-Rock zu spielen. Ihre neue, bereits fünfte Scheibe "Staub und Schatten" stellt hier keine Ausnahme dar und klingt doch erstmal anders, als man es erwartet.
Bereits der Opener "Monster" schleicht sich zunächst mit ruhigen Tönen an einen heran, bevor er mit neuer, ungewohnter Härte aufschlägt und damit den Ton für den Rest des Albums setzt. Textlich sind Nachtgeschrei mit mystischen Themen ("Eden"), zwischenmenschlichen Beziehungen ("Das Nichts") und historischen Geschichten ("Staub und Schatten") recht schwarzromantisch aufgestellt und lyrisch äußert tiefgehend und komplex, so dass man schon fast von gesungener Poesie sprechen möchte - Genrekollegen könnten sich hier gerne eine Scheibe abschneiden. Das Ganze klingt mal episch, mal rebellisch und mal sehnsüchtig. Partytaugliche Themen wie Alkoholkonsum und Feiern werden fast komplett ausgeklammert, höchstens der Track "Leben für Klang" passt vielleicht noch in diese Kategorie. Kein Wunder also, dass Nachtgeschrei vor allem als Band für die schwarze Szene zünden und dieses Jahr erstmals auf dem M'era Luna Festival auftreten.
Die musikalische Aufstellung auf "Staub und Schatten" aus Gitarren, Bass, Schlagzeug und Dudelsack, bzw. Drehleier ist noch immer die Vertraute, doch alles klingt ein wenig härter, fetziger und kraftvoller, als bei früheren Alben. Verbunden mit dem melodisch-sehnsüchtigem Gesang und den tiefgehenden Texten klingt alles nach einer gereiften Band, die ihren Stil gefunden hat und sich nicht hinter den Genregrößen zu verstecken braucht. Nachtgeschrei-Fans bekommen auf "Staub und Schatten" mehr vom Altbekannten und noch eine Schippe oben drauf. Alle anderen geneigten Hörer bekommen eine erstklassige Mischung aus Folk-, Rock-, Metal- und Mittelalter-Klängen mit schwarzromantischer Lyrik, die depressiv-traurige Töne gezielt ausklammert und zum Nachsinnen über tiefe Gedanken in ruhigen Stunden einlädt. (hlq)

7/10