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NARGAROTH - Era Of Threnody

VÖ: 16. Mai 2017
Inter Arma Productions

Da ist sie also: die wahrscheinlich interessanteste bzw. umstrittenste Veröffentlichung der deutschen Black Metal Szene. Es gibt wohl im deutschen Black Metal Sektor keine Band, die die Massen so spaltet, wie Nargaroth.
Indiskutabel ist auf jeden Fall, dass Mastermind René "Ash" Wagner mit Nargaroth seit Jahren eines der größten Flaggschiffe der Szene auffährt. Das mag nicht zuletzt auch an der Person Ash selbst liegen, die neben mehrfachem Wechsel des Künstlerpseudonyms, unter anderem eine Menge wirre Geschichten und versponnene Legenden, sowie einen etwas fragwürdigen Talkshowauftritt und einige persönliche Allüren zu bieten hat. So wundert es auch kaum, dass der Tausendsasser Ash sein aktuelles Album mit im Dschungel aufgenommenen Videos bewirbt, während er dazu von seiner aktuellen innerlichen Krise lamentiert. Warum er das alles so hervorhebt? Weil "Era Of Threnody" seine ganz eigene Methode ist, damit umzugehen. Quasi eine musikalische Selbsttherapie. Bei einer derartigen Form der Selbstdarstellung kommt man natürlich schnell an den Punkt, wo das Ganze ins Lächerliche abdriftet und von Seiten der Hörerschaft schnell Vorwürfe von Spinnerei und übertriebenem Drama aufkommen. Aber wie das immer so ist, kann man das nun sehen, wie man will. Ich für meinen Teil konzentriere mich lieber auf das, was am Ende herauskommt. Und das Ergebnis ist definitiv über alle Zweifel erhaben, trotzt aller Dschungel-Videos und Krisenmonologen und sollte es nicht zur inneren Konfliktbewältigung unseres irren Lieblingsschwarzmetallers beitragen, ist es zumindest schonmal ein beachtliches und geradezu traumhaftes musikalisches Werk. Was mich immer wieder aufs Neue erstaunen lässt, ist, wie Ash es bei jeder seiner Kompositionen versteht, der Gitarre mit einfachen Mitteln einen derart hohen Status zu geben, dass diese sich von ihrem Status als Begleitinstrument löst und Ash, gleich einer zweiten Gesangsstimme, durch jeden Song führt. Ob man Ash oder Nargaroth nun mag oder nicht, eines muss man ihm einfach lassen: das hat er lange genug perfektioniert und das kann er eben!
Ich für meinen Teil werde noch eine ganze Weile in den Klängen von "Era Of Threnody" schwelgen und hoffen, dass Kollege Wagner sich nicht wurmen lässt, uns immer mal wieder mit derartigem Hochgenuss zu versorgen, egal wie exzentrisch er sich auch geben mag. (cl)

9,5/10