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NECROS CHRISTOS - Domedon Doxomedon

VÖ: 19. Mai 2018
Sepulchral Voice Records

Bis zum VÖ-Tag wollte ich mir mit der Fertigstellung dieses Reviews Zeit lassen. Nur aus Vorsicht, auch nichts übersehen bzw. überhört zu haben. Nun ist es doch später geworden, aber ich kann meinem Spiegelbild reinen Gewissens versichern, mich dieser Mammutaufgabe gestellt zu haben.
Ein Dreifach-Album ist es geworden, der Abgesang der Berliner Death Metal Schmiede. Ein wahrhaft monumentaler Abgang, dem man sich annehmen muss, sich mit ihm beschäftigen muss, ihn wirken lassen muss - so, wie es die Band (höchstwahrscheinlich) von den Fans erwartet. Easy Listening und kurzfristiges Streaming gehören in diesen Wortschatz nicht hinein - entweder du ziehst es durch oder du wirst "Domedon Doxomedon" nicht im Ansatz verstehen. Dieses Grande Finale der 17-jährigen Geschichte der Band (kurioserweise mit 17 Veröffentlichungen gepflastert) ist ein Gesamtkunstwerk, von einer dramaturgisch perfekten Ausarbeitung, die man heutzutage so gut wie gar nicht mehr vorfindet. So nahtlos ineinander verzahnt, dass man - egal ob es ein Song, ein "Temple" oder ein "Gate" ist - kein einziges Soundloch finden wird. Jedes Riff, jeder Beat, jedes Wort, jedes Solo, einfach alles ist hier bis ins kleinste Detail ausgeklügelt worden … und es ist mir schier unbegreiflich, wie trotz dieser Perfektion daraus ein solch schlüssiger und spannender, wenn auch immens fordernder Death Metal-Gigant werden konnte. Auf Songs und ihre Stärken einzugehen, darf an dieser Stelle nicht gehofft werden. "Domedom Doxomedon" versteht sich als Einheit (und wirklich nur als solche!) und muss im besten Fall auch so angegangen werden. Ich habe es getan. Auch wenn ich zwischendurch mal den Faden verloren habe. Aber dieses Album nötigt mir allerhöchsten Respekt ab - auf ganz neutraler Ebene.
Nur ist auch noch eine subjektive Ebene vorhanden. Die muss man nicht als negativ bewerten, auch nicht als schlecht, sondern sich nur ihrer bewusst sein. Ich selbst halte nichts von Streamings oder ähnlichen Quark. Aber ein Album ist ein Album, welches auch quantitativ (qualitativ hatten wir ja gerade) etwas bieten muss … sollte. Und wenn die Band von mir erwartet, dass ich mich mit ihren Werk beschäftige (s.o.), dann tue ich auch genau dies. Und die nackten Fakten sind auch: drei CDs mit jeweils neun Tracks, daraus jeweils drei vollwertige Songs, der Rest sind Gates und Temples. Eine Gesamtspielzeit von 113 Minuten und 18 Sekunden verteilt auf CD 1 (34:59), CD 2 (38:10) und CD 3 (40:10). Zieht man Gates und Temples komplett ab, bleibt eine reine Spielzeit von gerade mal 84 Minuten und 53 Sekunden für exakt neun reinrassige Metal-Songs - also eine knappe halbe Stunde weniger.
Wie man diese Fakten nun bewertet, bleibt jedem selbst überlassen. Ich zumindest habe mich für einen Weg entschieden und nach Abwägen über dieses Gesamtkunstwerk führt dieser Weg geradewegs zu dicken, respektvollen 8,5 Punkten unter diesen Zeilen. Amen. (sw)

8,5/10