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NEURONSPOILER - Second Sight

VÖ: 20. Oktober 2017
Dissonance Productions

Auf dem "British Steel - The Rising Force Of British Heavy Metal"-Sampler blieb der Neuronspoiler-Song "Slay The Beast" als guter Track mit interessantem Sänger hängen, der aber nicht in meine Sampler-Top 5 aufgrund der "Konkurrenz" vordringen konnte. Meine Neugierde war trotzdem geweckt.
Darf ich vorgreifen? "Second Sight" übertrifft meine Erwartungen um Längen! In einer gerechten Metalwelt würde ich Neuronspoiler eine große Zukunft prophezeien, aber bis dahin muss eine tägliche Dosis "Second Sight" reichen. Das bekannte "Slay The Beast" macht sich gut an Position zwei, der zügige Opener "Reclaim Your Path" zeigt sich aber bereits mutig, durch eben keine durchgängige Verwendung eines Viervierteltaktes, hat saustarke Leadgitarren inne und packt den Hörer auch durch die fordernden Vocals von Sänger JR gleich mal bei den Eiern! "This Is Revolution" lässt mit seinem Startriff kurz an "The Metal Age" von Hammerfall denken, der Song an sich hat aber richtigen up to date-Biss und klingt dem Titel entsprechend echt angriffslustig. "The Brave One" punktet mit der heutzutage seltener zu hörenden Kombi "Midtempo gepaart mit Akustik" - hat fast etwas Amerikanisches und mündet schon wieder in einem erstklassigen Song. Mit "Queen Of The Darkness" liefert das Londoner Quintett seinen Dio-Song und klingt dabei endlich mal nicht wie ein Grand Magus-Klon, sondern setzt die Einflüsse richtig frisch um - Hammer! "Hidden Agenda" hebt das Tempo ganz leicht und schiebt seinen unaufdringlichen Refrain immer weiter ins Kleinhirn, bis er dort nicht mehr wegzubekommen ist. Und bevor "Murder City" charakterlich zwar passend und ziemlich clever, aber doch irgendwie überraschend das Album beschließt, hauen Neuronspoiler eine dermaßen exquisite Coverversion raus, dass ich seit Tagen, ach seit Wochen nicht mehr still sitze. Das Original "Heart Of A Lion" von Racer X ist selbstverständlich unerreicht, die Halford-Version (seinerzeit auf "Live Insurrection" zu hören) war gesanglich natürlich konkurrenzlos, instrumental mir aber etwas zu statisch. Neuronspoiler liefern den perfekten Mittelweg - gesanglich sehr stark, instrumental offener und den Achtziger-Spirit exzellent mit den heutigen Soundmöglichkeiten paarend. Das ist fantastisch!
"Second Sight" hat vielleicht das Manko, mit 39 Minuten zu kurz zu sein (dafür freue ich mich aber schon auf eine amtliche Vinyl-Version!), aber jeder verdammte Song ist ein Volltreffer und macht dieses Album für mich zu einem der Classic Metal Highlights des Jahres, weil sie die "alten" Einflüsse mit einer Leichtigkeit in die heutige Zeit bringen. Warum ich dafür (noch) keine dicke Neun zücke? Weil ich das Debüt "Emergence" aus 2013 noch nicht kenne und dementsprechend nichts über etwaige Qualitätssteigerungen sagen kann. Das macht aber nichts, weil "Second Sight" so oder so ein hammergeiles Album ist, welches zum Pflichtprogramm für Traditionsmetaller werden sollte/muss! (sw)

8,5/10