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NEVERLAND IN ASHES - Conversations

VÖ: 19. Mai 2017
Eigenveröffentlichung | Soulfood

Ach ja, wer kennt das nicht: man ist jung, hat die Musik für sich entdeckt und beginnt zu konsumieren, geradezu zu verschlingen, was einem so vor die Linse kommt. Man nimmt alles mit, was auch nur ansatzweise in den Dunstkreis der liebgewordenen Musikrichtung passt. Dabei gehört es nicht nur dazu, jedes Album, jede EP und jeden Sampler von jeder noch so kleinen Dorfcombo zu inhalieren, sondern man lässt auch kein Konzert in der näheren Umgebung aus, egal wer da spielt und völlig egal, ob der Eintritt 2 oder 10 Euro kostet. Man bekam in der Stammkneipe oder im Jugendtreff einen Flyer hingehalten. Manchmal konnte man die Bandlogos entziffern, manchmal nicht. Aber das war auch völlig egal, denn es stand fest, dass man sowieso hinging. Als ich diese Sturm und Drang Phase, wie ich sie mal einfach nenne, durchlebte, gab es kaum ein Wochenende, dass ich fernab von Live-Musik verbracht habe und es waren eben genau diese Konzerte, die nie mehr Eintritt kosteten, als man an der Theke der Location für 3-5 Bier ausgeben musste. Eines dieser Wochenenden führte mich in ein Jugendzentrum in der Innenstadt, keine Ahnung, wie die Veranstaltung damals hieß. Dafür ist das nun auch einfach viel zu lange her. Auf jeden Fall habe ich mich fleißig am Merch-Stand mit CDs eingedeckt und unter anderem auch einen Silberling der Truppe Neverland In Ashes ergattert (steht immer noch bei mir im CD-Regal, muss ich bei der Gelegenheit wohl mal wieder hervorkramen) und wie ich es damals üblicherweise gemacht habe, direkt von den Jungs signieren lassen. Die Kollegen fühlten sich dadurch wie Rockstars, ich kam mit den Leuten ins Gespräch und hatte ein schönes Andenken in der Tasche. Dass ich nun die aktuelle Scheibe "Conversations" auf dem Schreibtisch liegen habe, macht mich da schon enorm nostalgisch und lässt mich beim Hören ein wenig träumen und in Erinnerungen schwelgen. Interessanterweise klingt das Ganze immer noch genau so, wie ich es in Erinnerung habe: erfrischender Modern Metal mit heftigen Synth-Einlagen, einer gut drückenden Portion Gedresche und einem gesunden Schuss Melodie. Trotz des stark modernen Einschlags bekommt man hier keinen 08/15-Core geliefert, der ja mit dem Begriff Modern Metal schon fast verheiratet ist und hebt sich dadurch sehr schön von vielen Genre-Kollegen ab. Hervorzuheben, wenn man schon den Begriff "Core" in den Mund nimmt, ist allerdings der recht konstant, aber nicht überstrapazierend, eingesetzte Klargesang. Wer sich davon überzeugen möchte, wie man eben diese richtig einsetzt, der möge sich als allererstes einmal "Sweets And The Light" mit dem dazugehörigen Intro-Instrumental "Clockwork" geben. Wer dann noch ein wenig weitergeht und sich auch noch an die nächste Nummer heranwagt, der bekommt mit "#9" auch noch die volle Dröhnung fetzige Synthies plus wohooooohoooo-Gegröhle serviert und somit, meiner Meinung nach, auch den besten Song geliefert, den das Album zu bieten hat. Treibendes Schlagzeug mit ordentlich konstantem Double-Bass-Einsatz und schreddernden Gitarren geben hier ordentlich auf die Zwölf.
Ach, was soll ich da noch groß Worte verlieren? Frei heraus: die ganze Scheibe ist einfach allererste Sahne geworden und trifft bei mir voll ins Schwarze, nicht zuletzt aufgrund des Nostalgie-Bonus, vor allem aber wegen des hervorragenden Materials. Eine Scheibe mit enormem Replay-Faktor! (cl)

10/10