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NIGHT IN GALES - The Last Sunsets

VÖ: 23. Februar 2018
Apostasy Records

"Zurück" ist "Vorwärts" und "Vorwärts" ist "Attacke". Was auf dem neuen Night In Gales-Longplayer im Detail passiert, ist wirklich spannend. 2011 erschien das quasi-Comeback "Five Scars" und bescherte den Old School-Fans Freudentränen. Ein Jahr später steigt Sänger Björn Gooßes aus, an dessen Stelle sein Vorgänger Christian Müller tritt, der die erste EP "Sylphlike" und die "Razor"-Single garnierte. Und als wäre seit 1996 nichts gewesen, klingt Christian nicht selten wie ein (unehelicher?) Bruder von At The Gates' Tomas "Tompa" Lindberg. Dass das Coverartwork auch noch in ähnlichen Farben gehalten ist, wie das damalige Debüt "Towards The Twilight", sorgt für noch mehr Flashbacks. Der "neuzeitige" Gegenpol bleibt - wie schon auf "Five Scars" - Drummer Adriano Ricci, der mit einigen richtig heftigen Blasts und einer mit Nähmaschinenpräzision wütenden Doublebass, den heutigen Stand der Dinge bedient, was brutalen Geschossen wie dem eröffnenden Titelsong (ein exzellenter Start!) oder "The Spears Within" echt unwiderstehlich machen. Und trotzdem ist und bleibt die unumstößliche Basis das, was die fünfköpfige Voerde/Köln-Achse schon damals ausmachte. Fans alter Dark Tranquillity bzw. In Flames und vor allem At The Gates in den Wahnsinn treiben, weil sie sie eine hochqualitative, eigenständige Alternative zu Schweden sind. Gourmetsücke wie die just Genannten, "This Mortal Soul", "Dust And Form" oder die Sahnekirsche "The Abyss" (passenderweise für den Videoclip ausgewählt) haben einfach dieses ganz spezielle Etwas. Große Melodien und parallel brillierende Gitarren-Leads, dicke Riffs, der ach so charakteristische Dreivierteltakt-Speed (so dermaßen geil!) - alles da. Aber auf Nummer Sicher ist nicht. "Circle Of Degeneration" oder "Kingdom Of The Lost" zeigen sich "tiefgründiger", irgendwie in sich etwas verschlossenen, wodurch "The Last Sunsets" natürlich ein paar coole zusätzliche Farbtupfer bekommt.
Und die ganze Zeit denke ich: Eigentlich ist "The Last Sunsets" nicht eins, sondern gleich drei Alben: Ein Album, mit dem sich In Flames eigentlich ihre alten Fans zurückholen könnten. Ein Album, dem die neue At The Gates auch erst mal etwas entgegensetzen muss. Ein Album, mit dem ich sehr zufrieden bin. (sw)

9/10