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OBSCURA - Akróasis

VÖ: 05. Februar 2016
Relapse Records

"Akróasis - The Theory Of World Harmonics" von Hans Kayser … nein, ich habe dieses Buch nicht gelesen und werde es auch nicht. Aber irgendetwas muss es mit dem neuen Obscura-Album zu tun haben. Erst mal passt der Titel schon zu etwas, was man nur mit "obskuren" (ja, verstehste?!) Musikalitäten ausdrücken kann und außerdem muss ich mich die ganze Zeit bremsen, um nicht selbst ein Buch über dieses Wunderwerk zu schreiben. Es wäre so umfangreich und detailverliebt wie "Akróasis" selbst. Fronter Steffen Kummerer hatte seit "Omnivium" mit dem Weggang von Gitarrist Christian Münzer und Drummer Hannes Grossmann zu kämpfen, hat diese Lücken aber offensichtlich mehr als adäquat geschlossen. Die Neuen heißen Sebastian Lanser (Drums) und Rafael Trujillo (Gitarre) und ich bin schwer neugierig, in wie weit die Jungs bereits am Songwriting beteiligt waren. Bestes Beispiel ist das finale Opus "Weltenseele" - eine groß angelegte Reise mit anmutigen Akustikgitarren, einem (auch Album-übergreifend) gleichberechtigten Fretless-Bassspiel von Linus Klausenitzer, einer Bandbreite "von/bis", in der der Mittelpart von Streichern gemalt wird und im letzten Drittel (von 15 Minuten!) mit einigen kurzen, rabiaten und gleichsam flächendeckenden Explosionen garniert wird. Death Metal als Basis? Ja, noch und auch ziemlich kräftig. Aber Obscura können und wollen in dieser Form mehr. Der Opener "Sermon Of The Seven Suns" startet eigentlich als der ganz normale Obscura-Wahnsinn, aber man merkt, dass etwas anders ist. Dann kehrt Ruhe in den Song, der Fretless Bass übernimmt das Wort und es folgt ein völlig abgepfiffenes Solo - und da weißt du, es ist etwas anders. Allein die Soli auf "Akróasis" machen in ihrer virtuosen Abgedrehtheit jeden Dragonforce-Fanatiker mächtig nass. Hochgeschwindigkeitsattacken wie der Titelsong oder "Fractal Dimension" halten derweil die bekannte Death Metal Fahne ganz weit oben, während es auf einmal die "anderen" Töne sind, die sich ganz klammheimlich als neue Highlights entpuppen. "The Monist" - Midtempo (!), tiefe Growls, tiefe Gitarren, Computer Voice. Der Song klingt anders - unmöglich und auch unnötig, das minutiös zu sezieren. Ähnliches wiederfährt dem Hörer auch bei "Perpetual Infinity". Ich sitze wie gebannt unter meinen Kopfhörern (unbedingt zur Nachahmung empfohlen!), geniesse den im Gegensatz zu "Omnivium" transparenter und auch wärmer gewordenen Sound und kann kaum glauben, dass ich gleich wirklich noch einen halben Punkt mehr ziehe und somit "Akróasis" zu Obscura's aktueller Diskografie-Krönung mache. Und das habe ich ganz ohne theoretisches Musikwissen geschafft - ich denke, das sagt auch noch etwas über "Akróasis" aus.
Und nur so nebenbei - das Album kann man sich auch als Bundle "CD plus Gitarren-Tabulatur-Buch" besorgen. Aber brecht euch nicht die Flossen - ich habe euch gewarnt! (sw)

9,5/10