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OCEANS ATE ALASKA - Hikari

VÖ: 28. Juli 2017
Spinefarm Records

Oceans Ate Alaska haben dieses Mal ein sehr spezielles Album zusammengestellt. Es ist schwierig in Worte zu fassen, am ehesten trifft es wohl: britisch-avantgardistischer Tech-Metalcore mit japanischen Instrumenten und Djent-Allüren. Klingt verwirrend? Ist es auch. Bleibt es auch nach 10x Hören. Aber das Album knallt trotzdem unvergleichlich gut durch eure Hirnwindungen und ich möchte mal mit euch durchgehen, was sich auf diesem Album denn so alles für euch versteckt hat. Zunächst einmal hat das Album viele klare japanische Einflüsse, angefangen bei den Songtiteln, dem Artwork, sowie den verwendeten Instrumenten. Das wirkt sehr seltsam, haben wir hier doch eine britische Band, die ihre Zeit in das 11-Song starke Projekt gesteckt hat. Doch Widersprüche scheinen die Band sowieso sehr wenig zu stören. Der Wechsel innerhalb der Songs zwischen schnell, langsam, dröhnend, schreddernd, klar, verzerrt und eigentlich allem, was man mit Rhythmik und Dynamik erzeugen kann, wirkt oft sehr zufällig und unkontrolliert. Doch dann wieder wirkt alles wie im perfekten Zusammenspiel. Aber eben nur manchmal. Und das ist sowohl Fluch, als auch Segen des Albums. Fluch, weil nicht jeder Moment auf dem Album angenehm für die Ohren ist. Es gibt Aspekte, in denen man sich wirklich fragt, was sich dabei gedacht wurde, warum man das genau so gemacht hat, wie es eben gemacht wurde. Gleich der Opener "Benzaiten" stellt euch gelegentlich vor die Frage: "War dieser Übergang so beabsichtigt oder hängt meine Platte?". Doch halbwegs beruhigt kann ich sagen, dass das wohl gewollt ist, schließlich zieht es sich ja genau so durch das gesamte Album hindurch. Dann wiederum zeigt die Band bei "Escapist", wie ein Koto (japanisches Zupfinstrument) sich in modernen Djent einfügt. Auch Nu Metal hat mit dem Song "Entrapment" irgendwie seinen Weg aufs Album gefunden, wenn auf Stakkato-Gitarrentöne gerappt wird. Alles wirkt surreal, es ist schwierig, Beispiele zu finden, was jetzt genau das Album ausmacht, weil dieses Album einfach so durcheinander ist, dass die Struktur nicht immer ganz klar ist. Doch - und das ist nun der Segen - wird das Album "Hikari" mit garantierter Sicherheit ein einmaliges Hörerlebnis für euch sein. Es ist nichts, was man einfach mal so unterwegs hören kann, sondern es ist eher wie eine expressionistische Kunstausstellung. Man muss es erlebt haben und kann das nicht nur irgendwo im Hintergrund laufen lassen.
Oceans Ate Alaska haben aus meiner Sicht ein Album geschaffen, dass das wahrscheinlich individuellste und einzigartigste ist, das ich dieses Jahr bisher zu hören bekam. Dennoch nichts für jeden Geschmack. (zeo)

7/10